Auf einer Kamera kannst du vielleicht zwischen Einstellungen wählen wie:
1920 × 1080 / 25p
3840 × 2160 / 25p
3840 × 2160 / 50p
Oder ein Smartphone bietet:
1080p 30
1080p 60
4K 30
4K 60
Die Zahlen beschreiben zwei völlig unterschiedliche Eigenschaften des Videos.
Die Auflösung sagt, aus wie vielen Bildpunkten jeder einzelne Frame besteht. Die Bildrate sagt, wie viele solcher Frames pro Sekunde aufgenommen beziehungsweise wiedergegeben werden.
Video
↓
räumliche Auflösung
+
zeitliche Auflösung
Ein 4K-Video mit 24 fps besitzt viele Bildpunkte pro Frame, aber vergleichsweise wenige zeitliche Momentaufnahmen pro Sekunde. Ein Full-HD-Video mit 60 fps besitzt weniger Bildpunkte pro Frame, erfasst Bewegungen dafür häufiger.
Beides kann ausgezeichnet aussehen. Es sind lediglich unterschiedliche technische Prioritäten.
Räumliche und zeitliche Auflösung
Bei einem einzelnen Foto interessiert uns vor allem die räumliche Auflösung:
Breite × Höhe
Bei Video kommt eine zweite Dimension hinzu:
Frames pro Sekunde
Man kann Video daher vereinfacht als dreidimensionales Raster betrachten:
Breite
×
Höhe
×
Zeit
Je höher alle drei Werte werden, desto mehr Informationen müssen aufgenommen, verarbeitet, gespeichert und übertragen werden.
Was bedeutet Videoauflösung?
Die Videoauflösung beschreibt die Pixelabmessungen eines einzelnen Frames.
Beispielsweise:
1920 × 1080
Ein Frame besitzt dann:
1920 Pixel in der Breite
und:
1080 Pixel in der Höhe.
Insgesamt ergibt das:
1920 × 1080
=
2.073.600 Pixel
also rund 2,1 Millionen Pixel pro Einzelbild.
Was bedeutet 1080p?
Die Bezeichnung:
1080p
bezieht sich auf 1080 Bildzeilen in der Höhe und progressive Bilddarstellung.
Im üblichen 16:9-Format bedeutet das:
1920 × 1080 Pixel
Diese Auflösung wird allgemein als:
Full HD
bezeichnet.
Was bedeutet 720p?
Eine kleinere verbreitete HD-Auflösung ist:
1280 × 720 Pixel
Sie enthält:
921.600 Pixel
also weniger als eine Million Pixel pro Frame.
720p kann für bestimmte kleine oder bandbreitensensitive Videoanwendungen weiterhin ausreichend sein. Für größere moderne Darstellungen bietet 1080p jedoch deutlich mehr Detailreserve.
Was bedeutet 1440p?
Eine weitere Rastergröße ist:
2560 × 1440 Pixel
Sie wird unter anderem als:
QHD
bezeichnet.
Sie liegt zwischen Full HD und UHD-4K.
Im klassischen Videoproduktionsalltag spielen 1080p und 4K allerdings häufig die größere Rolle.
Was bedeutet 4K?
Hier wird es etwas komplizierter, weil mit „4K“ unterschiedliche Rastergrößen gemeint sein können.
Im typischen Consumer-, Web- und Fernsehbereich ist meist:
3840 × 2160 Pixel
gemeint.
Diese Auflösung heißt genauer:
Ultra HD beziehungsweise UHD.
Warum nennt man 3840 × 2160 trotzdem 4K?
Weil die horizontale Auflösung ungefähr 4.000 Pixel beträgt.
Die Bezeichnung ist also grober als:
1080p.
Full HD
1920 × 1080
gegen:
UHD
3840 × 2160
Breite und Höhe wurden jeweils verdoppelt.
4K besitzt viermal so viele Pixel wie Full HD
Full HD:
1920 × 1080
≈ 2,1 Millionen Pixel
UHD:
3840 × 2160
≈ 8,3 Millionen Pixel
Damit gilt:
2 × Breite
×
2 × Höhe
=
4 × Gesamtpixelzahl
Das ist wichtig, weil „doppelte Auflösung“ umgangssprachlich leicht missverstanden wird.
4K besitzt nicht nur doppelt so viele Bildpunkte wie Full HD, sondern ungefähr die vierfache Pixelzahl.
DCI 4K ist etwas anderes
Im digitalen Kinobereich begegnet außerdem beispielsweise:
4096 × 2160 Pixel
Das wird als DCI 4K bezeichnet.
UHD und DCI 4K sind also nicht exakt dasselbe.
Für normale Website-, YouTube-, Unternehmens- und Social-Video-Produktion ist mit „4K“ jedoch häufig UHD mit 3840 × 2160 gemeint.
Was bedeutet das „p“ bei 1080p?
Das „p“ steht für:
progressive.
Dabei besteht jeder Frame aus einem vollständigen Bild.
Frame 1
→ komplettes Bild
Frame 2
→ komplettes Bild
Frame 3
→ komplettes Bild
Das ist heute für digitale Web- und Computeranwendungen das normale Grundprinzip.
Was ist Interlaced Video?
Historische Fernsehstandards verwendeten häufig Zeilensprungverfahren, englisch:
interlaced.
Dabei wurde ein Bild vereinfacht in zwei Halbbilder aufgeteilt.
Halbbild A
→ bestimmte Bildzeilen
Halbbild B
→ dazwischenliegende Bildzeilen
Dafür stehen Bezeichnungen wie:
1080i
Das „i“ bedeutet:
interlaced.
Warum wurde Interlacing verwendet?
Es stammt aus einer Zeit, in der Bandbreite und analoge Übertragung stark begrenzt waren. Das Zeilensprungverfahren ermöglichte eine hohe wahrgenommene Bewegungsfrequenz, ohne jedes Mal ein vollständiges Bild übertragen zu müssen.
Für moderne Webvideos ist progressives Material wesentlich naheliegender.
Interlaced-Material kann bei Bewegung Probleme zeigen
Werden zwei zeitlich versetzte Halbbilder gemeinsam dargestellt, können an Bewegungen kammartige Strukturen entstehen.
Vereinfacht:
bewegte Kante
→
||||||||
||||||||
||||||||
Das wird als Interlacing-Artefakt sichtbar.
Deinterlacing
Altes Interlaced-Material kann für moderne progressive Wiedergabe umgerechnet werden.
Dieser Vorgang heißt:
Deinterlacing.
Gute Verfahren versuchen, aus den zeitlich unterschiedlichen Halbbildern wieder plausible vollständige Frames zu erzeugen.
Für neue Webvideos progressiv denken
Für heutige digitale Produktion ist die einfache Grundentscheidung daher:
progressive Frames
statt:
historisches Halbbildverfahren
Es sei denn, ein konkreter Broadcast-Workflow verlangt etwas anderes.
Ist 4K immer besser als 1080p?
Nein.
4K stellt zunächst lediglich mehr Pixel bereit.
Die tatsächliche Videoqualität hängt zusätzlich ab von:
Licht,
Objektiv,
Sensor,
Fokus,
Belichtung,
Kompression,
Bitrate,
Bewegung,
Farbverarbeitung.
4K
≠
automatisch gutes Video
Ein sauber beleuchtetes und fokussiertes Full-HD-Video kann wesentlich besser aussehen als ein schlecht aufgenommenes 4K-Video.
Mehr Auflösung kann trotzdem wertvoll sein
Sie bietet vor allem Reserve.
Du nimmst in 4K auf und exportierst später in 1080p.
Nun kannst du beispielsweise etwas in das Bild hineinzoomen.
4K-Master
↓
Crop
↓
1080p-Ausgabe
Solange genügend Pixel übrig bleiben, kann die Full-HD-Ausgabe weiterhin ihre Zielauflösung erreichen.
Digitaler Ausschnitt aus 4K
Angenommen, dein Ausgangsvideo besitzt:
3840 × 2160
und dein Ziel:
1920 × 1080
Ein Ausschnitt mit ungefähr halber Breite und halber Höhe entspricht bereits ungefähr der Full-HD-Zielgröße.
Das schafft erheblichen Spielraum.
Interview mit nur einer Kamera
Das kann praktisch genutzt werden.
Du filmst eine Person in 4K mit etwas weiterem Ausschnitt.
Die Ausgabe erfolgt in Full HD.
Nun kannst du im Schnitt beispielsweise zwischen:
weiter Einstellung
und:
digitalem engeren Ausschnitt
wechseln.
Dadurch entsteht optisch fast der Eindruck einer zweiten Kamera.
Aber die Perspektive verändert sich dadurch nicht
Wie unter Brennweite erklärt:
Ein digitaler Crop verändert nur den Bildausschnitt.
Der Kamerastandpunkt bleibt derselbe.
Crop
→ engerer Ausschnitt
aber:
gleiche Perspektive
Es ersetzt daher keine tatsächlich anders positionierte zweite Kamera.
4K hilft bei Stabilisierung
Digitale Stabilisierung benötigt häufig etwas Bildrandreserve.
Die Software verschiebt das Bild innerhalb des größeren Ausgangsframes.
4K-Aufnahme
↓
digitale Stabilisierung
↓
kleinerer Ausschnitt
↓
1080p-Ausgabe
Auch dafür kann zusätzliche Auflösung nützlich sein.
4K hilft beim Reframing
Ein breites Original soll später:
vertikal
ausgegeben werden.
Ein hochauflösender Master bietet mehr Cropreserve.
Aber auch hier gilt:
Eine schlechte Ausgangskomposition kann nicht beliebig repariert werden.
Warum nicht immer in maximaler Auflösung aufnehmen?
Weil Auflösung Ressourcen kostet.
Mehr Pixel bedeuten typischerweise:
mehr Sensordaten,
mehr Rechenarbeit,
größere Dateien,
mehr Speicherbedarf,
höhere Anforderungen beim Schnitt.
mehr Auflösung
↓
mehr Daten
↓
mehr Verarbeitung
Schnittrechner
Ein Rechner, der 1080p problemlos bearbeitet, kann bei mehreren 4K-Spuren deutlich stärker belastet werden.
Besonders wenn zusätzlich ein aufwendig zu dekodierender Codec verwendet wird.
Speicher
Eine höhere Auflösung führt bei vergleichbaren Einstellungen häufig zu größeren Dateien.
Wie stark, hängt allerdings vom Codec und der verwendeten Bitrate ab.
Deshalb kann man nicht einfach sagen:
4K
=
immer exakt viermal so große Datei
Die Pixelzahl vervierfacht sich, die tatsächliche Dateigröße hängt aber von der Kodierung ab.
Akku und Wärme
Mehr Sensordaten müssen:
ausgelesen,
verarbeitet,
komprimiert
werden.
Das kann zusätzliche Energie und Rechenleistung erfordern.
Bei langen hochauflösenden Aufnahmen kann daher auch Wärme eine praktische Rolle spielen.
Für die Website selbst braucht man nicht automatisch 4K
Ein eingebettetes Video wird vielleicht nur:
800 oder 1200 CSS-Pixel
breit dargestellt.
Auf einem solchen Layout ist eine 4K-Auslieferung möglicherweise unnötig.
Die Aufnahme kann trotzdem in 4K sinnvoll sein, wenn sie als Master dient.
Aufnahmeformat
≠
Auslieferungsformat
Das ist dasselbe Prinzip wie bei Bildern für Websites.
Was ist die Bildrate?
Die Bildrate beschreibt die Anzahl der Frames pro Sekunde.
Einheit:
fps
also:
frames per second.
Beispiel:
25 fps
bedeutet:
25 vollständige Frames pro Sekunde.
Bildrate ist zeitliche Auflösung
Auflösung beantwortet:
Wie fein ist jeder einzelne Frame?
Bildrate beantwortet:
Wie fein wird Bewegung über die Zeit erfasst?
Diese Unterscheidung ist zentral.
Beispiel mit einer Sekunde Bewegung
Bei 25 fps:
1 Sekunde
↓
25 Einzelbilder
Bei 50 fps:
1 Sekunde
↓
50 Einzelbilder
Das zweite Video besitzt doppelt so viele zeitliche Momentaufnahmen.
Typische Bildraten
Im Alltag begegnen unter anderem:
24 fps
25 fps
30 fps
50 fps
60 fps
Daneben existieren höhere Bildraten wie:
100 fps
120 fps
240 fps
vor allem für Zeitlupe oder spezielle Anwendungen.
Warum gibt es so viele Bildraten?
Die Gründe sind eine Mischung aus:
Filmgeschichte,
Fernsehstandards,
regionalen Strom- und Broadcastsystemen,
moderner Computertechnik,
gestalterischen Entscheidungen.
Heute können viele Kameras mehrere dieser Bildraten anbieten.
24 fps
24 Frames pro Sekunde sind historisch eng mit Kinofilm verbunden.
Deshalb wird eine Bewegungsdarstellung in diesem Bereich häufig als:
filmisch
beziehungsweise:
cinematisch
empfunden.
Das liegt jedoch nicht nur an der Zahl 24.
Auch:
Verschlusszeit,
Licht,
Kamerabewegung,
Brennweite,
Color Grading,
Schnitt
prägen diesen Eindruck.
24 fps ist kein Filmlook-Schalter
24 fps
+
schlechtes Licht
+
schlechter Ton
+
unruhige Kamera
wird nicht automatisch zu Kino.
Die Bildrate ist lediglich ein Bestandteil.
25 fps
25 fps sind historisch eng mit vielen europäischen beziehungsweise 50-Hz-Fernseh- und Stromumgebungen verbunden.
Für normale Unternehmens-, Interview- und Webvideos ist 25 fps ein vollkommen sinnvoller Standard.
30 fps
30 fps beziehungsweise technisch verwandte Varianten sind besonders im nordamerikanischen und digitalen Videoumfeld stark verbreitet.
Die Bewegungsdarstellung ist etwas zeitlich feiner als bei 24 oder 25 fps.
50 und 60 fps
Bei 50 beziehungsweise 60 Frames pro Sekunde entstehen deutlich mehr Einzelbilder.
Bewegungen können dadurch:
flüssiger,
direkter,
zeitlich detaillierter
wirken.
Das ist besonders interessant für:
Sport,
Gaming,
Action,
schnelle Kamerabewegungen.
Warum wirkt hohe Bildrate anders?
Stell dir vor, ein Ball bewegt sich innerhalb einer Sekunde von links nach rechts.
Bei wenigen Frames:
●
●
●
●
Bei höherer Bildrate:
●
●
●
●
●
●
●
Die Bewegung wird an mehr Zwischenpositionen gezeigt.
Mehr Frames reduzieren zeitliche Sprünge
Besonders bei:
schnellen Schwenks,
schnellen Motiven,
großen Displays
kann das sichtbar sein.
Hohe Bildrate verändert aber den ästhetischen Eindruck
60 fps kann sehr unmittelbar und glatt wirken.
Für:
Sportübertragung,
Spielaufzeichnung,
Demonstrationen
kann das hervorragend sein.
Für bestimmte fiktionale beziehungsweise filmische Produktionen wird dagegen oft bewusst eine niedrigere Bildrate verwendet.
Es gibt keine grundsätzlich professionelle Bildrate
24 fps
≠
professionell
und:
60 fps
≠
amateurhaft
oder umgekehrt.
Die richtige Bildrate hängt davon ab:
Wie soll Bewegung aussehen und wie soll das Material später verwendet werden?
23,976, 29,97 und 59,94 fps
Neben den runden Zahlen begegnen häufig Werte wie:
23,976
29,97
59,94
Diese stammen aus historischen Fernseh- und Farbfernsehstandards und wirken heute zunächst merkwürdig.
Für viele normale Produktionen muss man die historische Mathematik dahinter nicht beherrschen.
Wichtig ist lediglich:
24
≠
immer exakt 23,976
und:
30
≠
immer exakt 29,97
In bestimmten Produktionsketten muss die genaue Framerate konsequent beibehalten werden.
Warum kann das wichtig sein?
Wenn mehrere Kameras mit leicht unterschiedlichen Bildraten arbeiten, können bei langen Aufnahmen:
Synchronisation,
Timing,
Schnitt
komplizierter werden.
Für eine kontrollierte Mehrkamera-Produktion sollte deshalb ein gemeinsamer Standard festgelegt werden.
25 oder 30 fps für normale Webvideos?
Beides kann hervorragend funktionieren.
Wichtiger als die philosophische Diskussion darüber ist:
einen Standard wählen
↓
durchgängig verwenden
Wenn Aufnahme, Timeline und Export sinnvoll zusammenpassen, ist der Workflow deutlich unkomplizierter.
Regionale Netzfrequenz und Flimmern
Künstliches Licht kann mit der Netzfrequenz beziehungsweise seiner elektronischen Ansteuerung schwanken.
In vielen Regionen arbeitet das Stromnetz mit:
50 Hz
in anderen mit:
60 Hz
Dadurch können bestimmte Kombinationen aus:
Bildrate,
Verschlusszeit,
Lichtquelle
sichtbares Flimmern beziehungsweise Banding erzeugen.
Das betrifft besonders bestimmte LED- und Leuchtstoffquellen
Eine Lampe kann für das menschliche Auge völlig konstant aussehen.
Die Kamera erfasst jedoch:
hell
dunkler
hell
dunkler
während unterschiedlicher Aufnahmezeitpunkte.
Deshalb sind 25 beziehungsweise 50 fps in 50-Hz-Umgebungen praktisch
Passende Verschlusszeiten lassen sich häufig leichter mit der Lichtfrequenz vereinbaren.
Entsprechend können 30 beziehungsweise 60 fps in 60-Hz-Umgebungen praktisch sein.
Das ist keine Garantie gegen jedes Flimmern, weil moderne LEDs ihre eigenen Treiber und Frequenzen besitzen können.
Testaufnahme schlägt Theorie
Wenn künstliches Licht verwendet wird:
5 bis 10 Sekunden aufnehmen
↓
wiedergeben
↓
auf Flimmern prüfen
Das ist zuverlässiger, als ausschließlich auf Zahlen zu vertrauen.
Bildrate und Verschlusszeit
Die Bildrate sagt, wie viele Frames pro Sekunde aufgenommen werden.
Die Verschlusszeit bestimmt die Belichtungsdauer jedes Frames.
Beispiel:
25 fps
+
1/50 s
Die Kamera erzeugt 25 Frames pro Sekunde und belichtet jeden ungefähr eine Fünfzigstelsekunde.
Ein Frame bei 25 fps hat theoretisch maximal 1/25 Sekunde Zeit
Denn danach muss der nächste Frame beginnen.
Eine Verschlusszeit wie:
1/1000 s
ist problemlos kürzer.
Eine reale Belichtung von:
1/10 s
passt dagegen nicht als normale Einzelbelichtungsdauer in einen 25-fps-Zyklus.
Was ist die 180-Grad-Shutter-Regel?
Aus der Filmtechnik stammt ein verbreitetes Prinzip:
Bei natürlicher Bewegungsunschärfe wird eine Belichtungszeit in der Größenordnung des Kehrwerts der doppelten Bildrate verwendet.
Vereinfacht:
Verschlusszeit
≈
1 / (2 × Bildrate)
Beispiel 25 fps
25 × 2
=
50
also ungefähr:
1/50 s
Beispiel 30 fps
30 × 2
=
60
also ungefähr:
1/60 s
Beispiel 60 fps
60 × 2
=
120
also ungefähr:
1/120 s
In der Praxis verwendet eine Kamera möglicherweise den nächstliegenden verfügbaren Wert.
Warum heißt das 180 Grad?
Klassische Filmkameras verwendeten einen rotierenden mechanischen Sektorverschluss.
Bei einem Halbkreis von:
180°
war der Film ungefähr die Hälfte jedes Frame-Zyklus dem Licht ausgesetzt.
Daraus entstand die heute bekannte Beziehung.
Die 180-Grad-Regel ist kein Naturgesetz
Sie erzeugt eine Bewegungsunschärfe, die vielen Menschen aus klassischem Film vertraut ist.
Es gibt aber gute Gründe, davon abzuweichen.
180°
=
gestalterischer Ausgangspunkt
nicht:
180°
=
einzig richtige Einstellung
Kürzere Verschlusszeit
Beispiel:
25 fps
mit:
1/250 s
Jeder Frame besitzt viel weniger Bewegungsunschärfe.
Das Bild wirkt:
härter,
stakkatoartiger,
unmittelbarer.
Wann kann das gewollt sein?
Zum Beispiel:
Sportanalyse,
schnelle Action,
spätere Einzelbildauswertung,
bestimmte dramatische Effekte.
Längere Verschlusszeit
Nahe an der maximal möglichen Frame-Dauer entsteht viel Bewegungsunschärfe.
Das Video kann:
weich,
verschmiert,
träumerisch
wirken.
Bei schneller Bewegung eventuell unangenehm.
Bewegungsunschärfe verbindet die Frames
Bei klassischer Filmbewegung besitzt ein bewegter Gegenstand innerhalb jedes Frames etwas Unschärfe.
Frame 1
→ leichte Bewegungsspur
Frame 2
→ nächste Position
Frame 3
→ nächste Position
Unser Auge verbindet diese Informationen.
Extrem kurze Verschlusszeit zeigt scharfe Einzelbilder
Frame 1
→ knackscharf
Frame 2
→ knackscharf
Frame 3
→ knackscharf
Bei nur 24 oder 25 solchen Bildern pro Sekunde können die Positionssprünge deutlicher wahrgenommen werden.
Deshalb hängen fps und Verschlusszeit zusammen
Die Frage lautet nicht:
Welche fps sind richtig?
sondern:
Welche Bildrate
+
welche Bewegungsunschärfe
erzeugen die gewünschte Wirkung?
Verschlusszeit beeinflusst die Belichtung
Eine kürzere Belichtungszeit bedeutet:
weniger Licht pro Frame.
Beispiel:
1/50 s
↓
1/200 s
reduziert die eingefangene Lichtmenge deutlich.
Dann muss möglicherweise kompensiert werden durch:
größere Blendenöffnung,
höhere ISO,
mehr Licht.
Hohe Bildrate verlangt häufig kürzere Verschlusszeit
Bei 120 fps lässt sich eine klassische 180-Grad-Annäherung beispielsweise ungefähr mit:
1/240 s
denken.
Das sammelt wesentlich weniger Licht pro Frame als:
1/50 s
bei 25 fps.
Deshalb braucht Zeitlupe häufig viel Licht
Das ist ein wichtiger praktischer Zusammenhang:
hohe Aufnahmebildrate
↓
kurze Belichtungszeiten
↓
weniger Licht pro Frame
↓
mehr Beleuchtung nötig
Indoor-High-Speed-Video kann deshalb deutlich anspruchsvoller sein als normales 25-fps-Video.
Was ist Zeitlupe?
Zeitlupe entsteht, wenn mehr Bewegungsphasen aufgenommen als später pro Sekunde abgespielt werden.
Beispiel:
Aufnahme:
100 fps
Wiedergabe:
25 fps
Dann werden die 100 aufgenommenen Frames über vier Sekunden verteilt.
100 Frames aufgenommen
÷
25 Frames Wiedergabe pro Sekunde
=
4 Sekunden
Eine reale Sekunde wird also zu vier Sekunden Video.
120 fps auf 30 fps
120 ÷ 30
=
4
ebenfalls:
vierfache Zeitlupe.
60 fps auf 30 fps
60 ÷ 30
=
2
ergibt:
halbe Geschwindigkeit.
Das ist echte High-Framerate-Zeitlupe
Es existieren tatsächlich zusätzliche aufgenommene Zwischenbilder.
Originalbewegung
↓
viele echte Frames
↓
langsamer abspielen
Einfach ein 30-fps-Video auf 25 Prozent Geschwindigkeit setzen ist etwas anderes
Dann fehlen Zwischenbilder.
Die Software muss beispielsweise:
Frames wiederholen
oder:
neue Zwischenbilder berechnen.
Frame-Wiederholung
A A A A
B B B B
C C C C
Das erzeugt sichtbares Ruckeln.
Frame Blending
Mehrere Frames werden miteinander vermischt.
Dadurch entstehen weichere Übergänge, aber möglicherweise:
Geisterbilder.
Optical Flow
Software analysiert Bewegungen zwischen Frames und erzeugt geschätzte Zwischenbilder.
Frame A
+
Frame B
↓
Bewegung schätzen
↓
künstlicher Zwischenframe
Das kann hervorragend funktionieren.
Aber Optical Flow kann Fehler erzeugen
Besonders bei:
sich kreuzenden Objekten,
Wasser,
Haaren,
schnellen komplexen Bewegungen,
transparenter Bewegung.
Dann können Bildbereiche:
wabern,
sich verbiegen,
verdoppeln.
KI-Frame-Interpolation
Moderne KI-Verfahren können ebenfalls zusätzliche Zwischenbilder synthetisieren.
Das Grundproblem bleibt:
erzeugter Zwischenframe
≠
tatsächlich aufgenommener Zeitpunkt
Für kreative Videos kann das völlig akzeptabel sein.
Für präzise Bewegungsanalyse ist echtes High-Framerate-Material zuverlässiger.
Wann ist Zeitlupe sinnvoll?
Besonders bei Bewegungen, die in Echtzeit sehr schnell passieren.
Zum Beispiel:
Wassertropfen,
Sport,
Sprung,
Produktmechanik,
Haare im Wind,
Konfetti.
Zeitlupe kann Bewegung sichtbar machen, die unser Auge sonst kaum analysiert.
Zeitlupe sollte einen Zweck haben
Ein zehnminütiges Video, in dem jeder zweite Clip ohne Grund in Slow Motion läuft, wirkt schnell manieriert.
Besser fragen:
Was zeigt die Zeitlupe,
das in Echtzeit nicht sichtbar wäre?
Aufnahmebildrate und Projektbildrate unterscheiden
Ein Projekt kann beispielsweise auf:
25 fps
angelegt sein.
Normale Clips:
25 fps
Slow-Motion-Clips:
100 fps Aufnahme
→ auf 25 fps verlangsamt
Damit bleibt die finale Wiedergabe konsistent.
Muss 60-fps-Material immer als 60 fps ausgegeben werden?
Nein.
Es kann:
mit 60 fps wiedergegeben
oder:
auf 30 beziehungsweise 25 fps verlangsamt
werden, sofern die zeitlichen Verhältnisse entsprechend behandelt werden.
Das ist ein großer Vorteil hoher Aufnahmebildraten.
Aber hohe Bildrate nur „zur Sicherheit“ kostet Ressourcen
Wenn du jedes Interview in 120 fps aufnimmst, obwohl keine Zeitlupe geplant ist:
entstehen zusätzliche Anforderungen ohne echten Nutzen.
mehr Frames
→ mehr Daten
→ kürzere Verschlusszeit
→ mehr Lichtbedarf
Bildrate für Interviews
Für ein klassisches sitzendes Interview reichen meist normale Bildraten wie:
24,
25
oder:
30 fps
vollkommen aus.
Die Person bewegt sich relativ langsam.
Hohe Bildraten liefern wenig zusätzlichen Informationswert.
Bildrate für Tutorials
Auch Bildschirm- beziehungsweise Erklärvideos funktionieren oft hervorragend mit 25 oder 30 fps.
Wenn allerdings:
schnelle Mausbewegungen,
Animationen,
Gaming
eine wichtige Rolle spielen, kann eine höhere Bildrate sinnvoll sein.
Bildrate für Sport
Hier können 50 beziehungsweise 60 fps sehr attraktiv sein.
Warum?
Mehr Bewegungsphasen.
Flüssigere Darstellung.
Zusätzlich bessere Möglichkeit für moderate Zeitlupe.
Bildrate für B-Roll
Hier kann bewusst höher aufgenommen werden.
Zum Beispiel:
50 fps Aufnahme
→ 25-fps-Projekt
Dadurch steht:
zweifache Zeitlupe
zur Verfügung.
Das ist bei:
Produkten,
Menschen in Bewegung,
Atmosphäre
häufig praktisch.
Nicht jede B-Roll sollte Slow Motion sein
Normale Echtzeitbewegung vermittelt:
Tempo,
Authentizität,
Direktheit.
Zeitlupe wirkt:
ruhiger,
ästhetischer,
dramatischer.
Beide haben unterschiedliche Aufgaben.
Social Video
Hohe Bildrate kann für dynamische Inhalte attraktiv sein.
Aber viele Social-Clips werden:
auf kleinen Displays,
stark komprimiert,
über mobile Netze
angesehen.
Deshalb sollte nicht automatisch maximale Auflösung und maximale Bildrate verwendet werden.
Bildschirmaufnahme
Hier hängt die passende Bildrate stark vom Inhalt ab.
Statische Softwarebedienung:
30 fps können vollkommen genügen.
Gaming beziehungsweise schnelle Animation:
60 fps können deutlich angenehmer sein.
Animation
Bei Animation gelten wiederum eigene gestalterische Möglichkeiten.
Ein fertiges Video kann mit 24 oder 25 fps laufen, während einzelne Animationsphasen bewusst weniger häufig verändert werden.
Die Ausgabeframerate und die Anzahl einzigartiger gezeichneter beziehungsweise gerenderter Posen müssen nicht identisch sein.
Bildrate beeinflusst auch Kamerabewegungen
Ein langsamer Kameraschwenk kann bei 24 oder 25 fps weich funktionieren.
Ein sehr schneller horizontaler Schwenk kann deutlich ruckeliger wirken.
Bei 50 oder 60 fps stehen mehr Zwischenpositionen zur Verfügung.
Deshalb Kamerabewegung zur Bildrate passend gestalten
Niedrige Bildrate:
eher kontrollierte Bewegungen
Hohe Bildrate:
mehr zeitliche Reserve für schnelle Bewegung
Das ist keine starre Regel, aber ein hilfreiches Gestaltungsprinzip.
Shutter Angle statt Verschlusszeit
Einige Videokameras beziehungsweise Videomodi lassen statt:
1/50 s
einen sogenannten:
Shutter Angle
einstellen.
Beispielsweise:
180°
Vorteil
Der Winkel bleibt automatisch zur Bildrate proportional.
Du wechselst von:
25 fps
auf:
50 fps.
Bei 180 Grad passt die Kamera die Belichtungszeit entsprechend an.
25 fps
→ ungefähr 1/50 s
50 fps
→ ungefähr 1/100 s
Das ist für Video sehr komfortabel.
Foto-Verschlusszeit und Video-Shutter-Angle beschreiben dasselbe Grundproblem unterschiedlich
Foto denkt:
Wie lange ist die Belichtung?
Film denkt zusätzlich:
Welcher Anteil jedes Frame-Zyklus
wird belichtet?
Beide Modelle lassen sich ineinander übersetzen.
Was bedeutet 360 Grad?
Theoretisch:
fast der gesamte Frame-Zyklus wird belichtet.
Das erzeugt viel Bewegungsunschärfe.
90 Grad
Nur ungefähr ein Viertel des Frame-Zyklus.
Bewegung wird härter beziehungsweise schärfer eingefroren.
180 Grad als Mittelweg
Deshalb ist der Wert historisch und ästhetisch so verbreitet.
Aber auch hier:
kein Qualitätsgesetz.
Variable Frame Rate
Bei Smartphones, Bildschirmaufnahmen und bestimmten Kameras kann Video mit variabler Bildrate gespeichert werden.
Dann ist die zeitliche Distanz zwischen Frames nicht immer exakt gleich.
Man spricht von:
Variable Frame Rate, kurz VFR.
Constant Frame Rate
Bei konstanter Bildrate:
Frame 1
↓ gleiche Zeit
Frame 2
↓ gleiche Zeit
Frame 3
Die zeitliche Struktur bleibt gleichmäßig.
Das heißt:
Constant Frame Rate, CFR.
Warum gibt es VFR?
Ein Gerät kann Ressourcen sparen.
Wenn wenig Bewegung passiert, müssen möglicherweise nicht exakt gleich viele Frames erzeugt werden wie in sehr dynamischen Momenten.
Auch Echtzeitaufnahmen wie Screen Recording können technische Schwankungen besitzen.
Warum kann VFR beim Schnitt Schwierigkeiten machen?
Ein Schnittprogramm arbeitet häufig mit einer festen Timeline.
Variable Zeitabstände können je nach Software beziehungsweise Workflow zu Problemen führen bei:
Audio-Synchronität,
Framegenauigkeit,
Effekten.
Deshalb wird VFR-Material in anspruchsvolleren Workflows gelegentlich zunächst in konstante Framerate umgewandelt.
Für normale Aufnahmegeräte muss man das nicht ständig kontrollieren
Der Begriff ist vor allem hilfreich, wenn ein Smartphone- oder Screenrecording im Schnitt plötzlich:
leicht asynchron
oder:
zeitlich merkwürdig
reagiert.
Bildrate und Tonrate sind völlig unterschiedliche Dinge
Audio besitzt ebenfalls eine zeitliche Abtastung.
Dort begegnen Werte wie:
Kilohertz.
Das hat nichts mit:
25 beziehungsweise 60 fps
zu tun.
Video
→ Frames pro Sekunde
Audio
→ Samples pro Sekunde
Beides muss im fertigen Projekt lediglich zeitlich synchron bleiben.
Auflösung und Bildrate gemeinsam betrachten
Die teuerste Kombination hinsichtlich Datenverarbeitung ist typischerweise:
hohe Auflösung
+
hohe Bildrate
Beispiel:
4K 60 fps
gegenüber:
1080p 25 fps
Im ersten Fall existieren sowohl pro Frame wesentlich mehr Pixel als auch deutlich mehr Frames pro Sekunde.
Rohdatenvergleich
1080p bei 25 fps:
2,1 Millionen Pixel
×
25
≈
52 Millionen Pixelwerte pro Sekunde
4K bei 50 fps:
8,3 Millionen Pixel
×
50
≈
415 Millionen Pixelwerte pro Sekunde
Das ist grob die achtfache Anzahl an Pixelpositionen pro Sekunde, bevor weitere Faktoren wie Farbauflösung, Bittiefe und Kompression berücksichtigt werden.
Deshalb steigen Hardwareanforderungen stark
Die Kamera muss:
Sensor schneller auslesen,
mehr Daten verarbeiten,
mehr komprimieren.
Der Rechner muss:
mehr dekodieren,
mehr Effekte berechnen,
mehr anzeigen.
Codec kann wichtiger werden als Auflösung
Ein effizient stark komprimierter 4K-Codec kann beim Schnitt teilweise anspruchsvoller sein als ein datenreicheres, aber leichter dekodierbares Schnittformat.
Daher ist:
Dateigröße
nicht dasselbe wie:
Schnittbelastung
Das behandeln wir im nächsten Artikel über Video-Codecs und Container.
Bitrate ist ebenfalls entscheidend
Zwei 4K-Videos können völlig unterschiedliche Dateigrößen besitzen.
Video A:
niedrige Bitrate.
Video B:
hohe Bitrate.
gleiche Auflösung
+
gleiche Bildrate
≠
gleiche Dateigröße
Codec und Bitrate entscheiden maßgeblich mit.
Mehr Auflösung braucht normalerweise mehr sinnvolle Bitrate
Ein 4K-Bild enthält mehr potenzielle Detailinformation als 1080p.
Wird ihm extrem wenig Datenrate gegeben, muss der Codec stärker vereinfachen.
Dann bringt die höhere Rasterauflösung möglicherweise kaum sichtbaren Vorteil.
Das gleiche gilt für hohe Bildrate
60 Frames müssen pro Sekunde beschrieben werden.
Bei derselben Gesamtbitrate wie 30 fps stehen vereinfacht weniger Bits pro Frame zur Verfügung.
Moderne Videocodecs verteilen Daten wesentlich intelligenter als simpel gleichmäßig, aber das Grundproblem bleibt:
Mehr zeitliche Information braucht Ressourcen.
Bewegte Szenen verlangen besonders viel
Ein 4K-60-fps-Video von:
ruhigem Vortrag vor weißer Wand
kann relativ effizient komprimiert werden.
4K 60 fps von:
Wasserfall,
Wald,
Konfetti,
schneller Kamera
ist erheblich anspruchsvoller.
Wann lohnt sich 4K-Aufnahme?
Besonders wenn mindestens einer dieser Punkte wichtig ist:
Cropreserve,
Stabilisierung,
hochwertiger Master,
große Ausgabe,
spätere Wiederverwendung,
Detailaufnahmen.
Wann kann 1080p völlig ausreichen?
Zum Beispiel:
langes Webinar,
einfache Bildschirmaufnahme,
kleines eingebettetes Websitevideo,
interne Schulung,
bandbreitensensitive Anwendung.
Ein Full-HD-Master ist nicht automatisch minderwertig
1920 × 1080 ist für viele reale Bildschirmgrößen weiterhin eine erhebliche Auflösung.
Entscheidend ist, ob sie zum Zielmedium passt.
Aufnahmeauflösung nach Workflow bestimmen
Frage zuerst:
Brauche ich spätere Cropreserve?
Ja:
4K kann sinnvoll sein.
Nein:
1080p möglicherweise genug.
Zweite Frage
Wie lange wird aufgenommen?
Dreistündige Veranstaltung:
Speicherbedarf spielt große Rolle.
Kurzer Produktclip:
weniger.
Dritte Frage
Wie leistungsfähig ist der Schnittrechner?
Eine theoretisch bessere Aufnahme bringt wenig, wenn der gesamte Produktionsprozess unpraktisch wird.
Proxies können helfen, aber erzeugen zusätzliche Workflowstufen.
Vierte Frage
Wie wird das Video ausgeliefert?
Kleine Websiteeinbettung:
andere Anforderungen als Kino beziehungsweise großer Fernseher.
Bildrate nach Bewegung bestimmen
Statisches Interview:
24 / 25 / 30 fps
→ typischerweise ausreichend
Schnelle Action:
50 / 60 fps
→ mehr Bewegungsauflösung
Slow Motion:
höhere Aufnahmebildrate
→ anschließend langsamer wiedergeben
Eine praktische Matrix
Interview
→ 25 oder 30 fps
→ normale Echtzeit
Unternehmens-B-Roll
→ 25/30 fps
oder
50/60 fps für Zeitlupenreserve
Sport
→ 50/60 fps häufig attraktiv
Tutorial
→ 25/30 fps häufig ausreichend
Gaming / schnelle Screenaufnahme
→ 60 fps kann sinnvoll sein
dramatische Slow Motion
→ hohe Aufnahmebildrate
Diese Werte sind Ausgangspunkte, keine technischen Vorschriften.
Ein typischer Unternehmensvideo-Workflow
Beispielsweise könnte ein Projekt festlegen:
Projekt:
25 fps
Interview:
4K
25 fps
1/50 s
B-Roll normal:
4K
25 fps
1/50 s
B-Roll für Zeitlupe:
4K
50 fps
1/100 s
Das 50-fps-Material kann später auf der 25-fps-Timeline halb so schnell abgespielt werden.
Warum so ein Standard hilfreich ist
Die Produktion weiß vor dem Dreh:
welche Clips normal laufen
und:
welche Zeitlupe erlauben.
Das reduziert spätere Überraschungen.
Ein Social-Workflow
Wenn das Endprodukt primär dynamisches vertikales Video ist:
9:16-Komposition
+
30 oder 60 fps
kann je nach gewünschter Wirkung sinnvoll sein.
Wichtiger als eine allgemeine Empfehlung ist:
den gesamten Kanal konsistent zu behandeln.
Website-Hero-Video
Hier steht häufig nicht maximale Detailauflösung im Mittelpunkt.
Wichtiger sind:
Dateigröße,
ruhige Bewegung,
kurze Dauer,
Lesbarkeit darüberliegender Inhalte.
Ein 4K-60-fps-Hero kann technisch beeindruckend und als Webressource trotzdem völlig überdimensioniert sein.
Aufnahme und Auslieferung trennen
Zum Beispiel:
4K-Master
↓
Schnitt
↓
kleineres Webderivat
Damit bleibt hochwertige Ausgangsbasis erhalten, ohne jedem Besucher unnötig riesige Daten zu schicken.
Hohe Auflösung kann bei KI-Verarbeitung helfen
Wenn ein Video später:
automatisch reframed,
stabilisiert,
segmentiert
oder anderweitig analysiert wird, kann zusätzliche Bildinformation wertvoll sein.
Hohe Bildrate kann Bewegungsanalyse verbessern
Mehr zeitliche Zwischenstufen können beispielsweise helfen bei:
Tracking,
Slow Motion,
Bewegungserkennung.
Aber auch KI kann fehlende echte Aufnahmeinformation nicht beliebig ersetzen.
Generative Zwischenbilder
Wie bei Frame-Interpolation kann KI Bewegungsphasen erzeugen.
Das kann visuell überzeugen.
Für eine dokumentarisch genaue Darstellung bedeutet es jedoch:
synthetischer Frame
≠
aufgenommener Frame
Diese Unterscheidung wird mit zunehmender KI-Nachbearbeitung wichtiger.
Häufige Missverständnisse zu Auflösung und fps
„4K ist doppelt so gut wie Full HD“
Nein. UHD besitzt ungefähr viermal so viele Pixel, aber Bildqualität lässt sich nicht als einfacher Faktor ausdrücken.
„Mehr fps bedeutet bessere Videoqualität“
Nicht generell. Höhere Bildrate liefert mehr zeitliche Information und eine andere Bewegungswirkung.
„60 fps ist immer flüssiger und deshalb immer besser“
Flüssiger kann es wirken. Ob dieser Look gewünscht ist, hängt vom Inhalt ab.
„24 fps macht jedes Video filmisch“
Nein. Filmwirkung entsteht aus einem Gesamtsystem.
„Die Verschlusszeit muss immer exakt doppelte Framerate sein“
Die 180-Grad-Regel ist ein guter Ausgangspunkt, keine Pflicht.
„4K-Aufnahme bedeutet, dass ich 4K ausliefern muss“
Nein. 4K kann ausschließlich als hochwertiges Master und Cropreserve dienen.
„Wenn ich 120 fps filme, ist mein fertiges Video 120 fps“
Nicht zwangsläufig. Das Material kann beispielsweise in einer 30-fps-Timeline vierfach verlangsamt werden.
„Slow Motion ist einfach langsames Abspielen“
Echte hochwertige Zeitlupe entsteht idealerweise durch zusätzliche tatsächlich aufgenommene Frames.
„1/1000 Sekunde verhindert Ruckeln“
Sie reduziert Bewegungsunschärfe. Gerade bei niedriger Bildrate kann Bewegung dadurch sogar härter beziehungsweise stakkatoartiger wirken.
„Hohe Bildrate kostet nur Speicher“
Sie kann außerdem mehr Licht verlangen, Schnittlast erhöhen und die gewünschte Ästhetik verändern.
„1080p ist veraltet“
Nein. Für viele digitale Anwendungen ist Full HD weiterhin vollkommen ausreichend.
„Künstliches Licht flimmert nur bei falscher Bildrate“
Flimmern hängt vom Zusammenspiel von Lichtquelle, Ansteuerung, Bildrate und Verschlusszeit ab.
Ein einfacher Entscheidungsbaum
Zuerst:
Welche Auflösung
braucht mein Endprodukt?
Dann:
Brauche ich Cropreserve?
Falls ja:
höher aufnehmen.
Danach die Bewegung
normale Bewegung?
→ normale Bildrate
schnelle Action?
→ höhere Bildrate prüfen
Zeitlupe geplant?
→ höhere Aufnahmebildrate
Danach Verschlusszeit
gewünschte Bewegungswirkung
↓
passende Verschlusszeit
Als klassischer Ausgangspunkt:
Shutter ≈ 180°
Danach Licht
Wenn die notwendige Verschlusszeit wenig Licht zulässt:
mehr Licht
oder
Blende öffnen
oder
ISO erhöhen
Danach Testaufnahme
Besonders unter künstlichem Licht:
10 Sekunden aufnehmen
↓
Bewegung prüfen
↓
Flimmern prüfen
↓
Belichtung prüfen
↓
Fokus prüfen
Dieser Schritt verhindert erstaunlich viele Probleme.
Ein robuster Workflow
Zielmedium
↓
Seitenverhältnis
↓
Zielauflösung
↓
Cropreserve festlegen
↓
Projektbildrate wählen
↓
Slow-Motion-Bedarf bestimmen
↓
Aufnahmebildrate
↓
Verschlusszeit
↓
Licht und ISO
↓
Testaufnahme
So werden die Einstellungen nicht als isolierte Zahlen behandelt.
Sie folgen dem tatsächlichen Verwendungszweck.
Was du dir über Videoauflösung merken solltest
Die Videoauflösung beschreibt die Pixelzahl jedes einzelnen Frames.
1080p
→ 1920 × 1080
→ etwa 2,1 MP pro Frame
UHD 4K
→ 3840 × 2160
→ etwa 8,3 MP pro Frame
UHD besitzt damit ungefähr viermal so viele Pixel wie Full HD.
Mehr Pixel können:
mehr Detail,
Cropreserve,
Stabilisierungsreserve
liefern.
Sie verursachen aber auch mehr:
Daten,
Rechenaufwand,
Speicherbedarf.
Deshalb sollte Aufnahmeauflösung nach dem Workflow gewählt werden.
Was du dir über Bildrate merken solltest
Die Bildrate beschreibt die Zahl der Frames pro Sekunde.
25 fps
→ 25 Frames pro Sekunde
50 fps
→ 50 Frames pro Sekunde
Mehr Frames bedeuten höhere zeitliche Auflösung.
Das kann besonders bei schnellen Bewegungen und Zeitlupe hilfreich sein.
Die Bildrate bestimmt jedoch nicht allein die Bewegungswirkung.
Auch die Verschlusszeit ist entscheidend.
Bildrate
→ Abstand der Frames
Verschlusszeit
→ Bewegungsunschärfe innerhalb der Frames
Ein verbreiteter Ausgangspunkt ist die 180-Grad-Regel:
Verschlusszeit
≈
1 / (2 × fps)
also etwa:
25 fps
→ 1/50 s
50 fps
→ 1/100 s
60 fps
→ ungefähr 1/120 s
Sie erzeugt einen klassischen Bewegungscharakter, ist aber keine Pflicht.
Was du dir über Zeitlupe merken solltest
Echte Zeitlupe entsteht durch höhere Aufnahmebildrate und niedrigere Wiedergabebildrate.
100 fps aufnehmen
↓
25 fps wiedergeben
↓
4× langsamer
Oder:
120 fps
↓
30 fps
↓
4× langsamer
Hohe Aufnahmebildraten erfordern häufig kürzere Belichtungszeiten und damit mehr Licht.
mehr fps
↓
kürzere Belichtungszeit
↓
weniger Licht pro Frame
Das sollte bereits beim Dreh berücksichtigt werden.
Auflösung und Bildrate bilden gemeinsam den technischen Rahmen
Ein Video kann sehr hoch aufgelöst und zeitlich eher klassisch sein:
4K
+
25 fps
oder:
weniger räumlich aufgelöst und dafür sehr flüssig:
1080p
+
60 fps
oder:
beides kombinieren:
4K
+
60 fps
Die letzte Variante verarbeitet wesentlich mehr Informationen und sollte deshalb nur gewählt werden, wenn diese Informationen tatsächlich gebraucht werden.
Der zentrale Merksatz lautet:
Auflösung bestimmt, wie fein ein einzelner Videoframe räumlich dargestellt werden kann. Die Bildrate bestimmt, wie fein Bewegung zeitlich erfasst wird. Die beste Kombination ist nicht die mit den höchsten Zahlen, sondern diejenige, die zur Bewegung, zum Produktionsworkflow und zum späteren Ausgabemedium passt.
