Du möchtest ein Sprachmodell lokal betreiben.
Die erste Reaktion liegt nahe:
Welche Grafikkarte brauche ich?
Die Frage ist berechtigt.
Aber sie kommt eigentlich einen Schritt zu früh.
Denn zuerst müsste man wissen:
Welches Modell?
Welche Quantisierung?
Wie lang soll der Kontext sein?
Wie viele Nutzer greifen gleichzeitig darauf zu?
Soll nur Text erzeugt werden?
Oder auch Bilder?
Soll das Modell interaktiv chatten oder nachts zehntausende Dokumente verarbeiten?
Erst danach lässt sich sinnvolle Hardware auswählen.
Der wichtigste Grundsatz für lokale KI lautet deshalb:
Anwendungsfall
↓
Modell
↓
Speicherbedarf
↓
Geschwindigkeitsanforderung
↓
Hardware
und nicht:
teure GPU kaufen
↓
danach überlegen,
welches Modell darauf laufen könnte
Bei KI ist Speicher oft wichtiger als rohe Rechenleistung
Gaming-PCs werden häufig anhand von Bildrate und Grafikleistung verglichen.
Bei lokalen Sprachmodellen tritt eine andere Frage sehr früh in den Vordergrund:
Passt das Modell überhaupt in den verfügbaren Speicher?
Bei klassischen PCs mit separater Grafikkarte besitzen CPU und GPU unterschiedliche Speicherbereiche. NVIDIA beschreibt dieses Modell ausdrücklich als Host-Speicher auf CPU-Seite und Device-Speicher auf GPU-Seite; bei mehreren diskreten GPUs besitzt zudem jede GPU ihren eigenen Speicher. (NVIDIA Docs)
Damit entstehen zwei zentrale Größen:
RAM
→ Arbeitsspeicher des Computers
und:
VRAM
→ Speicher der Grafikkarte
Beide sind wichtig.
Aber für schnelle GPU-Inferenz ist der verfügbare VRAM häufig die erste harte Grenze.
Die sechs wichtigsten Hardwarebausteine
Ein typischer lokaler KI-Rechner besteht aus denselben Komponenten wie ein gewöhnlicher PC:
CPU
GPU
RAM
SSD
Mainboard
Netzteil
Dazu kommen:
Kühlung
Gehäuse
Netzwerk
Der Unterschied liegt nicht darin, dass KI völlig andere Computer benötigt.
Der Unterschied liegt darin, welche Komponente zum Engpass wird.
Bei einem Office-PC ist vielleicht die GPU fast irrelevant.
Bei einem Gaming-PC zählt hohe Grafikleistung.
Bei einem lokalen LLM-System sind häufig:
VRAM-Kapazität
+
Speicherbandbreite
+
geeignete Rechenleistung
besonders wichtig.
Die GPU übernimmt die eigentliche Parallelrechenarbeit
Sprachmodelle führen sehr viele Matrixoperationen aus.
Solche Berechnungen lassen sich stark parallelisieren.
Genau dafür eignen sich GPUs.
Im CUDA-Programmiermodell arbeitet die CPU als Host und die GPU als paralleler Beschleuniger; Rechenkerne werden auf der GPU ausgeführt, während die CPU unter anderem Programmsteuerung und Datentransfers übernimmt. (NVIDIA Docs)
Sehr vereinfacht:
CPU
→ steuert
→ vorbereitet
→ koordiniert
GPU
→ führt sehr viele
mathematische Operationen parallel aus
Das erklärt, warum eine starke GPU ein Sprachmodell gegenüber reiner CPU-Inferenz massiv beschleunigen kann.
Die GPU ist aber nicht nur ein Rechenchip
Für lokale KI muss man zwei Eigenschaften getrennt betrachten:
Wie schnell kann die GPU rechnen?
und:
Wie viel Speicher besitzt sie?
Eine GPU kann sehr schnell sein, aber nur relativ wenig VRAM besitzen.
Eine andere Karte kann langsamer rechnen, aber wesentlich mehr Speicher bieten.
Für einen bestimmten KI-Anwendungsfall kann die zweite Karte dadurch nützlicher sein.
Ein einfaches Beispiel
Angenommen, Modell A benötigt während deiner gewünschten Konfiguration ungefähr:
18 GB GPU-Speicher
GPU X:
12 GB VRAM
GPU Y:
24 GB VRAM
Selbst wenn GPU X in bestimmten Benchmarks sehr schnell ist, passt das Modell nicht vollständig hinein.
GPU Y kann dadurch für genau diesen Einsatz wesentlich geeigneter sein.
Das ist einer der fundamentalen Unterschiede zwischen Kaufentscheidungen für Gaming und lokale KI.
Was liegt eigentlich im VRAM?
Zunächst müssen die Modellgewichte gespeichert werden.
Dazu kommen abhängig von Modell, Engine und Einstellungen weitere Daten.
Konzeptionell:
VRAM
├── Modellgewichte
├── KV-Cache
├── temporäre Tensoren
├── Laufzeitpuffer
└── gegebenenfalls weitere Modelle
Inference-Engines reservieren deshalb nicht einfach nur exakt die Dateigröße des Modells. vLLM behandelt den KV-Cache beispielsweise ausdrücklich als eigenen GPU-Speicherbereich und erlaubt, die dafür verfügbare GPU-Speichermenge separat zu steuern. (vLLM)
Modellgröße allein reicht deshalb nicht für die Speicherplanung
Eine Modelldatei ist:
10 GB
Das bedeutet nicht automatisch:
10-GB-GPU reicht.
Zusätzliche Laufzeitdaten benötigen ebenfalls Platz.
Besser ist:
Modellgewichte
+
Kontext / KV-Cache
+
Laufzeitreserven
=
tatsächlicher Speicherbedarf
Die konkrete Größe hängt stark vom verwendeten Modell und der Inference-Software ab. (vLLM)
Der KV-Cache macht lange Kontexte teuer
Während ein autoregressives Sprachmodell Text erzeugt, werden Informationen aus den bereits verarbeiteten Tokens zwischengespeichert.
Dieser Speicher wird üblicherweise als KV-Cache bezeichnet.
Je mehr Kontext gleichzeitig gehalten werden muss, desto größer kann dieser Bereich werden. llama.cpp weist in seiner aktuellen Multi-GPU-Dokumentation ausdrücklich darauf hin, dass der KV-Cache ungefähr mit der Kontextgröße wächst und bei Speicherproblemen eine reduzierte Kontextgröße den VRAM-Bedarf senken kann. (GitHub)
Das bedeutet:
kleiner Kontext
↓
weniger KV-Cache
großer Kontext
↓
mehr KV-Cache
Darum ist „Welches Modell passt?“ keine vollständige Frage
Die bessere Frage lautet:
Welches Modell passt mit meiner gewünschten Quantisierung, Kontextlänge und Parallelität?
Ein Modell kann beispielsweise bei:
8.000 Tokens
komfortabel laufen.
Mit:
128.000 Tokens
kann dieselbe Hardware plötzlich an ihre Speichergrenze gelangen.
Wie stark, hängt von der konkreten Modellarchitektur und Engine ab. Moderne Server-Engines wie vLLM verwalten den KV-Cache deshalb explizit als wesentlichen Teil ihrer Speicherplanung. (vLLM)
Mehr gleichzeitige Nutzer brauchen ebenfalls mehr Speicher
Ein einzelner Chat:
1 laufende Sequenz
ist etwas anderes als:
20 Nutzer
→ 20 parallele Sequenzen
Jede aktive Anfrage benötigt Laufzeitzustand.
vLLM verknüpft deshalb die verfügbare KV-Cache-Kapazität ausdrücklich mit der maximal möglichen Parallelität und weist darauf hin, dass mehr gleichzeitig verarbeitete Sequenzen zusätzlichen Cache-Speicher benötigen. (vLLM)
Damit wird aus:
Passt das Modell?
eine zweite Frage:
Wie viele Nutzer kann es
gleichzeitig bedienen?
Ein Desktopchat und ein KI-Server brauchen deshalb andere Reserven
Desktop:
1 Nutzer
↓
1 Anfrage
↓
Modell
Server:
Nutzer A ─┐
Nutzer B ─┼→ Modellserver
Nutzer C ─┤
... ┘
Bei einem Server sollte man nicht die gesamte Speicherplanung auf den knappsten möglichen Einzelbetrieb optimieren.
Reserven werden wichtiger.
Wie lässt sich der Speicherbedarf der Modellgewichte grob abschätzen?
Ein stark vereinfachtes Modell lautet:
Parameterzahl
×
Bits je Parameter
÷
8
=
ungefähre Bytezahl
Beispiel:
8 Milliarden Parameter
×
16 Bit
÷
8
≈
16 GB
Das ist nur eine Größenordnung für die Gewichte und kein vollständiger Laufzeitbedarf.
Bei 8 Bit sinkt diese grobe Rechnung
8 Milliarden
×
8 Bit
÷
8
≈
8 GB
Bei 4 Bit:
8 Milliarden
×
4 Bit
÷
8
≈
4 GB
Reale Quantisierungsformate benötigen zusätzlich Metadaten und unterscheiden sich im Detail. Die grundsätzliche Wirkung stimmt jedoch: niedrigere Präzision reduziert den Speicherbedarf. Die Transformers-Dokumentation beschreibt Quantisierung entsprechend als Darstellung von Gewichten beziehungsweise Aktivierungen mit niedrigeren Präzisionen, damit größere Modelle mit geringerem Speicherbedarf geladen werden können. (Hugging Face)
Genau deshalb ist Quantisierung für Heim-KI so entscheidend
Ohne Quantisierung könnte ein Modell beispielsweise nur auf sehr teurer Hardware komfortabel laufen.
Mit 8- oder 4-Bit-Verfahren kann es möglicherweise auf wesentlich zugänglicherer Hardware eingesetzt werden. Hugging Face dokumentiert etwa 8- und 4-Bit-Quantisierung als Verfahren zur erheblichen Reduzierung des Speicherbedarfs großer Modelle. (Hugging Face)
Aber:
kleinere Quantisierung
≠
kostenloser Speichergewinn
Es können Qualitäts- und Performanceunterschiede entstehen.
Deshalb bekommt Quantisierung einen eigenen Artikel.
VRAM ist deshalb häufig die erste Dimensionierungsgröße
Wenn du bereits weißt:
gewünschtes Modell
+
Quantisierung
+
Kontext
kannst du ungefähr bestimmen:
Welchen VRAM-Bereich brauche ich?
Danach wird gefragt:
Welche GPU bietet in diesem Bereich
ausreichend Geschwindigkeit?
Das ist häufig sinnvoller als der umgekehrte Weg.
Viel VRAM macht eine langsame GPU aber nicht automatisch gut
Nehmen wir eine hypothetische Karte:
48 GB VRAM
aber geringe Rechenleistung
und eine andere:
24 GB VRAM
aber sehr hohe Rechenleistung
Passt dein Modell in 24 GB, kann die zweite deutlich attraktiver sein.
Braucht dein Modell 35 GB, scheidet sie möglicherweise aus.
Damit entstehen zwei Schwellen:
1. Genug Speicher?
erst danach:
2. Genug Geschwindigkeit?
Gaming-Benchmarks beantworten diese Frage nur teilweise
Gaming misst andere Arbeitslasten.
Eine Grafikkarte kann für Spiele hervorragend positioniert sein.
Das bedeutet nicht automatisch, dass sie bei:
LLM-Inferenz,
Training,
Bildgenerierung
im gleichen Verhältnis abschneidet.
Für KI sollte man idealerweise Benchmarks der tatsächlich verwendeten Modelle und Software betrachten.
Softwarekompatibilität ist genauso wichtig wie Hardwareleistung
Eine GPU ist nur dann nützlich, wenn deine gewünschte Inference-Software sie sinnvoll unterstützt.
Das CUDA-Ökosystem ist ein wichtiger Grund für die breite Unterstützung von NVIDIA-Hardware in vielen Machine-Learning-Werkzeugen. PyTorch besitzt beispielsweise eine eigene umfassende CUDA-Ausführungsschicht und verwaltet GPU-Tensoren explizit pro CUDA-Gerät. (PyTorch Docs)
Andere Hardwareplattformen können ebenfalls unterstützt werden.
Aber:
Unterstützt Plattform X grundsätzlich?
ist nicht dieselbe Frage wie:
Unterstützt genau meine Engine,
mein Modell und meine Funktionen
Plattform X gut?
Software zuerst prüfen
Bevor du Hardware kaufst:
Welche Inference Engine?
↓
Welche Backends?
↓
Welche Funktionen?
↓
Welche GPU?
Besonders wichtig wird das bei:
Multi-GPU,
Quantisierung,
Flash Attention,
bestimmten Modellarchitekturen.
Die CPU ist bei lokaler KI nicht unwichtig
Eine starke GPU reduziert nicht die CPU auf einen bedeutungslosen Nebenprozessor.
Die CPU übernimmt weiterhin unter anderem:
Anwendungslogik,
Tokenisierung,
Netzwerk,
Dateiverarbeitung,
Orchestrierung,
Datenbankarbeit,
Teile der Inferenz je nach Engine.
CUDA selbst beschreibt das typische System ausdrücklich als heterogene Kombination aus Host-CPU und GPU-Beschleuniger. (NVIDIA Docs)
Wie stark muss die CPU sein?
Das hängt vom System ab.
Bei:
gesamtes LLM vollständig auf GPU
ist eine absolute Spitzen-CPU häufig weniger entscheidend als:
GPU
und:
VRAM.
Bei:
starkem CPU-Offloading
wird sie wichtiger.
Bei:
CPU-only-Inferenz
wird sie zentral.
CPU-only-KI ist durchaus möglich
Lokale LLM-Engines können Modelle teilweise oder vollständig über CPU und System-RAM ausführen.
llama.cpp unterstützt beispielsweise ausdrücklich die Wahl, wie viele Modell-Layer in VRAM liegen sollen; verbleibende Teile können auf dem Host verarbeitet werden. Die aktuelle Dokumentation warnt gleichzeitig, dass weniger GPU-Offloading die Inferenz deutlich verlangsamen kann. (GitHub)
Damit entsteht ein Kontinuum:
CPU-only
↓
teilweise GPU
↓
vollständig GPU
CPU-only kann für kleine Modelle sinnvoll sein
Zum Beispiel:
gelegentliche Nutzung,
kleines quantisiertes Modell,
Batchjob ohne Zeitdruck,
Embeddingaufgabe,
Entwicklungsumgebung.
Wenn eine Antwort fünfmal länger dauert, aber nur zweimal täglich gebraucht wird, kann das vollkommen ausreichend sein.
Für interaktiven Chat wird Geschwindigkeit wichtiger
Ein Nutzer stellt eine Frage.
Dann wartet er.
2 Sekunden
fühlen sich anders an als:
40 Sekunden
bis überhaupt die Antwort sichtbar wird.
Bei interaktiven Anwendungen sollte daher nicht nur geprüft werden:
Läuft es?
Sondern:
Läuft es angenehm?
RAM ist der zweite große Speicherpool
Der normale Arbeitsspeicher übernimmt bei einem lokalen KI-System zahlreiche Aufgaben.
RAM
├── Betriebssystem
├── Inference Engine
├── Modellanteile
├── Dateiverarbeitung
├── Datenbanken
├── Vektorsuche
├── n8n
└── weitere Dienste
Besonders wenn Teile eines Modells nicht im GPU-VRAM liegen, kann zusätzlicher System-RAM wichtig werden. NVIDIA beschreibt CPU- und GPU-Speicher bei diskreten CUDA-Systemen als getrennte Speicherbereiche, zwischen denen Daten übertragen werden können. (NVIDIA Docs)
Genug RAM bedeutet nicht dieselbe Geschwindigkeit wie genug VRAM
Angenommen:
Modell passt nicht in 16 GB VRAM
aber:
64 GB System-RAM vorhanden
Dann kann eine geeignete Engine möglicherweise Teile des Modells im RAM halten.
Das ermöglicht die Inferenz.
Aber die CPU beziehungsweise der Datentransfer zwischen Host und GPU kann zum Geschwindigkeitsengpass werden. NVIDIA weist ausdrücklich darauf hin, dass Zugriffe über Verbindungen zwischen Host- und GPU-Speicher höhere Latenz beziehungsweise geringere effektive Performance besitzen als Daten, die direkt im geeigneten lokalen Speicher liegen. (NVIDIA Docs)
„Es läuft“ und „es läuft schnell“ sind deshalb zwei verschiedene Fragen
Mit ausreichend RAM kann man möglicherweise ein überraschend großes Modell starten.
Aber:
Modell passt
heißt noch nicht:
Modell ist angenehm nutzbar
Gerade bei lokalen Experimenten ist dieser Unterschied wichtig.
Ein sinnvoller RAM-Puffer verhindert Konkurrenz zwischen Diensten
Ein KI-Server betreibt vielleicht gleichzeitig:
Linux
PostgreSQL
n8n
Vector DB
LLM Server
Reverse Proxy
Monitoring
Dann sollte nicht jeder letzte Gigabyte Arbeitsspeicher bereits für das Modell verplant sein.
Betriebssystem und andere Dienste brauchen Reserven.
Wie viel RAM braucht man konkret?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht.
Für die Dimensionierung hilft eher:
größtes Modell im RAM
+
weitere Dienste
+
Dateiverarbeitung
+
Reserve
Wenn CPU-Offloading geplant ist, wird der erste Teil deutlich wichtiger.
Wenn sämtliche Modelle vollständig in VRAM liegen, kann der System-RAM stärker nach den übrigen Diensten dimensioniert werden.
Apple Silicon funktioniert anders
Bei klassischen Desktop-GPUs sind System-RAM und GPU-VRAM getrennt.
Apple Silicon verwendet dagegen eine Unified Memory Architecture, bei der CPU und GPU denselben physischen Speicher nutzen. Apple beschreibt MLX ausdrücklich als für dieses gemeinsame Unified-Memory-Modell ausgelegt. (Apple Developer)
Konzeptionell:
klassischer PC
CPU → RAM
GPU → VRAM
gegen:
Apple Silicon
CPU ─┐
├→ Unified Memory
GPU ─┘
Unified Memory hat für lokale Modelle interessante Folgen
Ein System mit beispielsweise viel gemeinsamem Speicher kann Modelle aufnehmen, für die auf einem klassischen PC eine diskrete GPU mit entsprechend großem VRAM erforderlich wäre.
Das bedeutet aber nicht:
64 GB Unified Memory
=
64 GB diskreter High-End-VRAM
Architektur, Speicherbandbreite, Rechenleistung und Software unterscheiden sich grundlegend.
Die Zahl allein lässt sich nicht direkt vergleichen.
Der Vorteil ist vor allem der gemeinsame Adressraum
Apple betont für MLX, dass CPU und GPU denselben physischen Speicher verwenden und damit kein klassisches getrenntes Host-/Device-Speichermodell nötig ist. (Apple Developer)
Das kann lokale Modellnutzung sehr komfortabel machen.
Für die Kaufentscheidung sollten dennoch reale Modellbenchmarks auf der gewünschten Hardware herangezogen werden.
Die SSD beeinflusst nicht primär die Tokenberechnung
Sobald ein Modell vollständig im Arbeitsspeicher beziehungsweise VRAM liegt, berechnet nicht die SSD die Tokens.
Trotzdem ist sie wichtig.
Modelle müssen zunächst geladen werden.
Dazu kommen:
Modelldateien
RAG-Dokumente
Datenbanken
Logs
Backups
Bildmodelle
Trainingsdaten
KI-Systeme brauchen überraschend viel Speicherplatz
Ein paar Modelle:
5 GB
15 GB
30 GB
Dann verschiedene Quantisierungen.
Eine Bildmodellbibliothek.
RAG-Dokumente.
Backups.
Aus:
500 GB reichen locker
wird schnell:
SSD fast voll
Darum sollte Speicherkapazität nicht zu knapp geplant werden.
Eine schnelle SSD verkürzt vor allem Lade- und Datenprozesse
Wenn ein Modell von:
SSD
↓
RAM
↓
VRAM
geladen wird, beeinflusst die Datenträgergeschwindigkeit die Startzeit.
Ebenso bei:
großen Dokumentbeständen,
Vektordatenbanken,
Trainingsdaten.
Während der eigentlichen Inferenz sind dagegen GPU-Speicher und Rechenleistung viel unmittelbarer relevant.
NVMe ist für einen KI-Rechner meist die naheliegende Wahl
Moderne NVMe-SSDs bieten hohe Bandbreite und niedrige Latenz.
Das ist besonders angenehm bei:
großen Modelldateien,
häufigen Modellwechseln,
großen Datenbeständen.
Man muss dafür aber nicht zwangsläufig die schnellste verfügbare Enterprise-SSD kaufen.
Die SSD sollte zum realen Datenaufkommen passen.
Ein separates Laufwerk kann sinnvoll sein
Zum Beispiel:
SSD 1
→ Betriebssystem und Anwendungen
SSD 2
→ Modelle und KI-Daten
Das erleichtert:
Kapazitätsplanung,
Backups,
spätere Erweiterung.
Es ist aber keine technische Pflicht.
Das Mainboard entscheidet über Erweiterbarkeit
Für einen einfachen Ein-GPU-Rechner ist die Auswahl relativ unkompliziert.
Sobald du an:
2 GPUs
3 GPUs
mehrere NVMe-SSDs
10-Gbit-Netzwerk
denkst, wird das Mainboard wichtig.
Es bestimmt unter anderem:
Steckplätze,
elektrische PCIe-Anbindung,
physische Abstände,
M.2-Konfiguration.
Ein großer Steckplatz bedeutet nicht automatisch volle PCIe-Bandbreite
Ein Slot kann mechanisch:
x16
aussehen.
Elektrisch aber beispielsweise:
x4
angebunden sein.
Für eine zweite KI-GPU sollte deshalb das Mainboardhandbuch geprüft werden.
Was ist PCI Express überhaupt?
PCI Express verbindet unter anderem:
GPU,
Netzwerkkarten,
NVMe-Geräte
mit dem System.
Für eine diskrete GPU ist PCIe die wichtige Verbindung zwischen:
CPU / RAM
↔
GPU / VRAM
NVIDIA beschreibt beispielsweise Host-GPU-Transfers und Peer-Zugriffe zwischen GPUs ausdrücklich als Kommunikation über geeignete Interconnects wie PCIe beziehungsweise schnellere GPU-Verbindungen, sofern vorhanden. (NVIDIA Docs)
Wenn das Modell komplett auf einer GPU liegt, ist PCIe oft weniger dominant
Das Modell wird geladen.
Danach findet viel der eigentlichen Berechnung innerhalb der GPU statt.
Die CPU muss nicht für jede Rechenoperation den gesamten Modellbestand neu übertragen.
Deshalb kann eine GPU bei reiner Inferenz auch auf einer schmaleren PCIe-Anbindung überraschend gut funktionieren.
Offloading verändert diese Situation
Wenn während der Inferenz häufig Daten zwischen:
RAM
↔
VRAM
bewegt werden müssen, wird die Verbindung wichtiger.
Dasselbe gilt bei bestimmten Multi-GPU-Strategien.
NVIDIA weist darauf hin, dass Zugriffe auf nicht lokal angebundenen Speicher über PCIe oder ähnliche Interconnects deutlich weniger performant sein können als Daten im direkt angebundenen GPU-Speicher. (NVIDIA Docs)
Multi-GPU macht PCIe deutlich interessanter
Mit zwei Grafikkarten entsteht beispielsweise:
GPU 1
↕
PCIe / Interconnect
↕
GPU 2
Wenn ein einzelnes Modell über beide Karten verteilt wird, müssen abhängig von der verwendeten Parallelisierungsstrategie Daten zwischen ihnen ausgetauscht werden.
Wie viel Kommunikation erforderlich ist, hängt stark vom Verfahren ab. (GitHub)
Zwei GPUs ergeben nicht einfach einen gemeinsamen VRAM-Pool
Angenommen:
GPU 1
16 GB
GPU 2
16 GB
Es wäre verführerisch zu sagen:
32 GB VRAM
Das ist als grobe Gesamtkapazität zwar rechnerisch verständlich.
Technisch besitzt aber jede diskrete GPU ihren eigenen Speicher. NVIDIA beschreibt bei Multi-GPU-Systemen ausdrücklich getrennte GPU-Speicherbereiche pro Gerät. (NVIDIA Docs)
Die Software muss das Modell daher bewusst verteilen.
Ein Modell kann dennoch über mehrere GPUs verteilt werden
Aktuelle Engines wie llama.cpp unterstützen mehrere Split-Verfahren und können Modellgewichte beziehungsweise Cache-Daten über mehrere GPUs verteilen. Die aktuelle llama.cpp-Dokumentation nennt unter anderem Layer-, Row- und experimentelle Tensor-Splits. (GitHub)
Damit kann beispielsweise ein Modell verwendet werden, das auf keine einzelne Karte passt.
großes Modell
↓
├── GPU 1
└── GPU 2
Das ist aber nicht dasselbe wie eine einzelne 32-GB-GPU
Bei einer einzelnen GPU liegen:
alle benötigten Daten
→ lokaler VRAM
Bei mehreren Karten können:
Zwischenergebnisse
→ zwischen GPUs
übertragen werden müssen.
Dadurch entstehen zusätzliche Latenz und Kommunikationsaufwand.
Es gibt unterschiedliche Multi-GPU-Strategien
Eine einfache Variante ist:
Layer 1–20
→ GPU 1
Layer 21–40
→ GPU 2
Das entspricht grob einem Pipeline- beziehungsweise Layer-Split.
llama.cpp verwendet einen Layer-Split aktuell als kompatiblen Standardweg, bei dem zusammengehörige Schichten und ihr KV-Cache auf verschiedene GPUs verteilt werden. (GitHub)
Tensor Parallelism funktioniert anders
Dabei wird nicht nur das Modell schichtweise getrennt.
Teile derselben Rechenoperation werden auf mehrere GPUs verteilt.
eine Modellschicht
↓
├── GPU 1
└── GPU 2
Danach müssen Ergebnisse wieder kombiniert werden.
Das kann gute Parallelität ermöglichen.
Erfordert aber stärkere Kommunikation zwischen den GPUs.
llama.cpp bezeichnet seinen aktuellen Tensor-Split ausdrücklich als stärker vom GPU-Interconnect abhängig; vLLM weist ebenfalls darauf hin, dass zusätzliche Tensor-Parallelität Synchronisationsaufwand verursachen kann. (GitHub)
Multi-GPU kann zwei völlig verschiedene Ziele haben
Ziel A:
größeres Modell
Ziel B:
mehr gleichzeitige Anfragen
Das sind nicht dieselben Probleme.
Ein großes Modell über zwei GPUs
Modell
↓
GPU 1 + GPU 2
Das ist Modellparallelität.
Zwei Kopien eines kleinen Modells
GPU 1
→ Modell A
→ Nutzergruppe 1
GPU 2
→ Modell A
→ Nutzergruppe 2
Das ist eher Datenparallelität beziehungsweise replizierte Serving-Kapazität.
vLLM unterstützt beispielsweise Data-Parallel-Deployments, bei denen Modellgewichte auf mehreren GPU-Instanzen repliziert werden, um unabhängige Anfragen beziehungsweise Batches parallel zu verarbeiten. (vLLM)
Zwei GPUs können deshalb auch unabhängig voneinander sinnvoll sein
Beispiel:
GPU 1
→ interaktiver Chat
GPU 2
→ nächtliche Contentverarbeitung
Kein Modell muss über beide verteilt werden.
Die Karten erledigen unterschiedliche Aufgaben.
Das kann bei heterogenen Workloads wesentlich einfacher sein.
Oder jede GPU übernimmt ein anderes Modell
GPU 1
→ großes Sprachmodell
GPU 2
→ Embeddings / Reranker
oder:
GPU 1
→ Text
GPU 2
→ Bildgenerierung
Bei einem vielseitigen KI-Server kann das attraktiver sein als die Karten immer zu einem einzelnen Modell zusammenzuschalten.
Unterschiedliche GPUs können kombiniert werden
Bestimmte Engines können Modelle auch ungleichmäßig auf GPUs mit unterschiedlicher Speicherkapazität verteilen.
llama.cpp erlaubt beispielsweise explizite Aufteilungsverhältnisse über mehrere GPUs. (GitHub)
Konzeptionell:
24-GB-GPU
→ größerer Modellanteil
12-GB-GPU
→ kleinerer Modellanteil
Aber:
Je unterschiedlicher die Karten sind, desto wichtiger werden Tests.
Die langsamere GPU kann den Prozess bremsen
Bei eng gekoppelten Berechnungen müssen die beteiligten Geräte aufeinander warten.
Eine sehr schnelle und eine deutlich langsamere GPU ergeben deshalb nicht automatisch:
schnell + langsam
=
noch schneller
Abhängig vom Split können:
Rechenleistung
oder:
Interconnect
zum Engpass werden.
Multi-GPU sollte deshalb nicht das erste Ziel sein
Wenn ein gewünschtes Modell komfortabel auf eine einzelne GPU passt, ist:
1 GPU
häufig die einfachere Architektur.
Weniger:
Konfiguration,
Kommunikation,
Strom,
Kühlungsprobleme.
Mehrere GPUs werden besonders interessant, wenn ein konkreter Grund existiert.
Ein guter Grund für Multi-GPU: Modell passt nicht
llama.cpp nennt genau dies als einen der Hauptgründe für Multi-GPU: Die Modellgewichte können über mehrere Beschleuniger verteilt werden, damit nicht auf vergleichsweise langsameren System-RAM ausgewichen werden muss. (GitHub)
Zweiter guter Grund: mehr Durchsatz
Viele Nutzer.
Viele Batchjobs.
Dann können mehrere GPUs mehr parallele Arbeit ermöglichen.
Je nach Engine kann das durch:
Model Replicas,
Tensor Parallelism,
Pipeline Parallelism
umgesetzt werden. (vLLM)
Das Netzteil wird bei KI schnell ernst
Eine starke GPU kann unter Last viel elektrische Leistung aufnehmen.
Zwei GPUs:
noch mehr.
Dazu:
CPU,
Laufwerke,
Lüfter.
Das Netzteil muss genügend Leistung und geeignete Anschlüsse besitzen.
Nicht exakt auf dem Papiermaximum dimensionieren
Wenn alle Komponenten theoretisch zusammen beispielsweise:
750 W
erreichen können, wäre ein exakt:
750-W-Netzteil
ohne Reserve keine besonders elegante Planung.
Netzteile sollten nicht ausschließlich nach addierten Nennwerten ausgewählt werden.
Herstellerempfehlungen, Anschlüsse und Lastspitzen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Stromanschlüsse sind genauso wichtig wie Watt
Eine GPU benötigt bestimmte Stromstecker.
Bei mehreren Karten:
mehrere davon.
Ein Netzteil kann nominell genug Watt besitzen und trotzdem ungeeignete beziehungsweise zu wenige Anschlüsse haben.
Das sollte vor dem Kauf geprüft werden.
Dauerlast unterscheidet sich von kurzem Gaming
Ein lokaler KI-Server kann:
Stunden
oder:
Tage
unter hoher Last rechnen.
Damit werden:
Netzteilqualität,
Temperaturen,
Luftstrom
wichtiger.
Kühlung ist nicht nur eine Komfortfrage
Ein Grafikprozessor wird heiß.
Eine zweite GPU direkt darunter ebenfalls.
Ist zwischen beiden kaum Abstand:
GPU 1
████████
GPU 2
████████
kann die obere beziehungsweise untere Karte schlechter Luft erhalten.
Dann steigen:
Temperaturen,
Lüfterdrehzahl,
Lautstärke.
Consumer-GPUs können sehr breit sein
Moderne Kühler belegen oft deutlich mehr als die Breite eines einzelnen Steckplatzes.
Zwei vorhandene PCIe-Slots bedeuten deshalb nicht automatisch:
Zwei große GPUs passen physisch hinein.
Vor Multi-GPU-Käufen sollte man prüfen:
Slot-Abstand
GPU-Dicke
GPU-Länge
Gehäuseplatz
Gehäusegröße ist bei KI-Workstations nicht nebensächlich
Ein kompaktes Gaminggehäuse kann hervorragend für eine einzelne GPU funktionieren.
Für:
2 dicke GPUs
+
viele Laufwerke
+
starke Kühlung
kann es ungeeignet sein.
Ein größerer Tower kann praktische Vorteile bieten.
Luftstrom sollte geplant sein
Vereinfacht:
kühle Luft hinein
↓
CPU / GPUs
↓
warme Luft hinaus
Nicht:
zwei GPUs
↓
heiße Luft
↓
zirkuliert im Gehäuse
Ein KI-Server unter Dauerlast ist letztlich auch eine kleine Heizung.
Wärme muss aus dem Raum verschwinden
Der Rechner kann intern hervorragend gekühlt sein.
Trotzdem werden beispielsweise:
500 W elektrische Leistung
am Ende weitgehend als Wärme im Raum landen.
In einem kleinen Arbeitszimmer wird das bemerkbar.
Lautstärke gehört zum Einsatzprofil
Rechenzentrum:
Lautstärke zweitrangig.
Server im Wohnzimmer:
nicht.
Workstation neben dem Arbeitsplatz:
ebenfalls relevant.
Hardwaredimensionierung sollte deshalb auch die Umgebung berücksichtigen.
Power Limits können für KI interessant sein
Eine GPU muss nicht zwangsläufig permanent mit maximal möglicher Leistungsaufnahme betrieben werden.
Bei manchen Workloads kann ein reduziertes Power Limit:
Strom sparen,
Temperatur senken,
Lautstärke reduzieren
bei vergleichsweise geringem Leistungsverlust.
Die konkrete optimale Einstellung ist jedoch hardwareabhängig und sollte gemessen werden.
Effizienz kann wichtiger sein als Spitzenleistung
GPU A:
100 Token/s
bei hoher Leistungsaufnahme
GPU B:
85 Token/s
bei deutlich geringerem Verbrauch
Welche besser ist, hängt davon ab:
Einmalige interaktive Nutzung?
24/7-Server?
Strompreis?
Die schnellste Hardware ist nicht automatisch die wirtschaftlichste.
Für einen Server zählt Durchsatz pro Watt
Wenn eine Maschine täglich Millionen Tokens erzeugt, wird:
Tokens pro Sekunde
allein weniger aussagekräftig.
Interessant wird:
Tokens
÷
Energie
beziehungsweise die Gesamtkosten pro erledigter Aufgabe.
Ein Gaming-PC und ein KI-Server können deshalb unterschiedlich optimiert sein
Gaming:
hohe Einzel-GPU-Leistung
gute Bildrate
kurze Nutzungsspitzen
KI-Server:
viel VRAM
Dauerlast
mehrere Nutzer
Stabilität
Speicherkapazität
Energieeffizienz
Es gibt große Überschneidungen.
Aber die Prioritäten unterscheiden sich.
Braucht KI ECC-Speicher?
ECC kann bestimmte Speicherfehler erkennen beziehungsweise korrigieren und ist bei professioneller Server- und Workstation-Hardware verbreitet.
Für:
kritische wissenschaftliche Berechnungen,
lange Trainingsläufe,
Unternehmensserver
kann zusätzliche Zuverlässigkeit wertvoll sein.
Für einen privaten lokalen Chatserver ist ECC dagegen keine zwingende Voraussetzung.
Consumer-Hardware kann für lokale KI ausgesprochen attraktiv sein
Wenn das Ziel lautet:
lokale LLMs ausprobieren,
RAG betreiben,
Content automatisieren,
einzelne Nutzer bedienen,
können gewöhnliche Desktopkomponenten vollkommen ausreichend sein.
Man braucht keinen Rackserver, nur weil die Maschine „KI-Server“ heißt.
„Server“ beschreibt zunächst die Funktion
Ein normaler Desktop kann:
HTTP API
↓
anderen Geräten
KI bereitstellen
Damit ist er funktional ein Server.
Ob er:
Rackgehäuse,
Servermainboard,
ECC,
redundantes Netzteil
braucht, hängt vom tatsächlichen Zuverlässigkeitsbedarf ab.
Eine Workstation ist häufig der Mittelweg
Desktop-Hardware
+
großes Gehäuse
+
starke GPU
+
viel RAM
+
mehrere Laufwerke
Das kann für lokale KI ein sehr attraktives Setup sein.
Leistungsfähig genug.
Trotzdem einfacher und günstiger als professionelle Rechenzentrums-Hardware.
Wann lohnt professionelle GPU-Hardware?
Unter anderem wenn Anforderungen entstehen wie:
sehr großer VRAM
viele parallele Nutzer
professioneller Dauerbetrieb
Rackintegration
Supportverträge
hohe Zuverlässigkeit
spezielle Multi-GPU-Verbindungen
Dann kann Enterprise-Hardware Vorteile besitzen.
Für ein kleines Projekt sollte man nicht mit Enterprise-Hardware beginnen
Ein häufiger Fehler:
Ich will irgendwann vielleicht ein großes Modell nutzen, also brauche ich sofort einen riesigen GPU-Server.
Besser:
realen Workload messen
↓
Engpass identifizieren
↓
gezielt erweitern
Lokale KI lässt sich sehr gut schrittweise aufbauen.
Drei Hardwareprofile helfen beim Denken
Nicht als starre Kaufempfehlung, sondern als Architekturmodelle.
Profil A
Einzelplatz
Profil B
Workstation
Profil C
zentraler KI-Server
Profil A: der lokale Einzelplatz
1 Nutzer
↓
kleines oder mittleres Modell
↓
1 GPU oder CPU
Ziel:
Experimentieren.
Chat.
kleine Automatisierungen.
Hier sind Einfachheit und geringe Investitionskosten besonders wichtig.
Profil B: die KI-Workstation
1–wenige Nutzer
↓
größere Modelle
↓
1–2 GPUs
↓
viel RAM
Zusätzlich:
RAG.
Bildgenerierung.
Entwicklung.
Batchjobs.
Das ist für ambitionierte Selbsthoster häufig eine sehr flexible Klasse.
Profil C: zentraler KI-Server
mehrere Anwendungen
↓
API Gateway
↓
Queues
↓
mehrere Modelle / GPUs
Hier werden zusätzlich wichtig:
Monitoring,
Zugriffsschutz,
Ausfallsicherheit,
Skalierung.
Die Hardware ist nur noch ein Teil der Gesamtarchitektur.
Hardwaredimensionierung sollte immer bei der Aufgabe beginnen
Beispiel A:
Supportmails
→ 1 von 10 Kategorien
Dafür kann ein kleines Modell reichen.
Du brauchst vielleicht keine riesige GPU.
Beispiel B
komplexe Fachtexte
→ hochwertige Langformartikel
Ein größeres Modell kann sinnvoll sein.
Speicherbedarf steigt.
Beispiel C
100.000 Artikel
→ Embeddings
Hier ist Textgenerierung gar nicht das Hauptproblem.
Durchsatz des Embeddingmodells wird wichtiger.
Beispiel D
interaktiver KI-Assistent
für 30 Mitarbeiter
Nun zählt zusätzlich:
Parallelität.
Queue-Länge.
Zeit bis zur ersten Antwort.
Ein einzelnes Modell kann passen, aber nicht genügend Anfragen gleichzeitig bedienen.
Das gleiche Modell kann also völlig unterschiedliche Hardware brauchen
Ein Nutzer:
16 GB reichen möglicherweise.
Viele Nutzer:
mehr Cache
+
mehr Durchsatz
+
vielleicht mehrere GPUs
Die Modellbezeichnung allein reicht nicht zur Dimensionierung.
Welche Rolle spielt die Kontextlänge?
Stell dir zwei Anwendungen vor.
A:
Prompt:
500 Tokens
B:
Prompt:
80.000 Tokens
Dasselbe Modell.
Dieselbe GPU.
Die Anforderungen unterscheiden sich deutlich, weil der Kontext zusätzliche Berechnung und KV-Cache-Kapazität benötigt. vLLM behandelt KV-Cache-Größe und maximale Parallelität deshalb explizit als eigene Servingparameter. (vLLM)
RAG kann Hardware sparen
Statt:
gesamtes Handbuch
→ 100.000 Tokens
kann RAG vielleicht:
5 relevante Abschnitte
→ 5.000 Tokens
in den Kontext legen.
Weniger Kontext bedeutet:
weniger Rechenarbeit
und typischerweise:
weniger KV-Cache-Bedarf.
Damit wird gute Wissensarchitektur zu Hardwareoptimierung.
RAG kann deshalb günstiger sein als einfach mehr VRAM
Man könnte auf ein Kontextproblem reagieren mit:
größere GPU kaufen
oder:
bessere Retrievalstrategie
Manchmal ist die zweite Lösung eleganter.
Hardware sollte schlechte Softwarearchitektur nicht unnötig kompensieren.
Das Gleiche gilt für Batchjobs
Du möchtest 100.000 Texte klassifizieren.
Möglichkeit A:
großes Modell.
Möglichkeit B:
kleines Modell, das für diese Aufgabe ausreichend gut ist.
Wenn das kleine Modell dieselbe notwendige Qualität liefert:
weniger VRAM
+
mehr Durchsatz
+
weniger Strom
Die Modellwahl ist deshalb Teil der Hardwareoptimierung.
„Größer ist besser“ ist bei KI-Hardware eine teure Denkweise
Größeres Modell.
Mehr VRAM.
Mehr GPU.
Mehr Strom.
Mehr Kosten.
Vielleicht erzielt ein kleineres Modell bereits:
98 Prozent der benötigten Qualität.
Dann kann die riesige Hardware wirtschaftlich unsinnig sein.
Evals sollten deshalb vor dem Hardwarekauf stehen
Teste beispielsweise:
Modell A
Modell B
Modell C
mit deinen realen Aufgaben.
Messe:
Qualität
Geschwindigkeit
Speicher
Dann kaufst du Hardware für das kleinste Modell, das die Aufgabe ausreichend erfüllt.
Quantisierung sollte ebenfalls getestet werden
Beispiel:
Modell Q8
gegen:
Modell Q6
gegen:
Modell Q4
Vielleicht ist der Qualitätsunterschied bei deinem Anwendungsfall kaum relevant.
Dann kann die kleinere Variante wesentlich weniger VRAM verlangen.
Speicherbandbreite wird nach dem VRAM zur wichtigen GPU-Eigenschaft
LLM-Inferenz muss große Mengen Modellgewichtsdaten bewegen.
Deshalb ist nicht ausschließlich die Zahl der Recheneinheiten entscheidend.
Auch die Geschwindigkeit, mit der die GPU auf ihren Speicher zugreifen kann, beeinflusst die Leistung.
Das ist ein Grund, warum Karten mit gleichem VRAM nicht automatisch gleich schnell bei LLMs sind.
Ein einzelner „KI-Leistungswert“ existiert daher nicht
Eine GPU besitzt:
VRAM-Kapazität.
Speicherbandbreite.
Rechenleistung in verschiedenen Zahlenformaten.
Architekturmerkmale.
Softwareunterstützung.
Ein sinnvoller Vergleich muss den konkreten Workload berücksichtigen.
Bild-KI kann andere Anforderungen besitzen
Ein Textmodell verhält sich nicht identisch zu einem Diffusions- beziehungsweise Bildmodell.
Wenn ein Rechner gleichzeitig:
Text,
Bild,
Video
verarbeiten soll, müssen verschiedene Workloads berücksichtigt werden.
Eine GPU, die perfekt für deinen LLM-Server ist, muss nicht für jeden anderen KI-Workload optimal sein.
Fine-Tuning verändert die Anforderungen massiv
Bisher sprechen wir hauptsächlich über:
Inference
also:
fertiges Modell verwenden
Training beziehungsweise Fine-Tuning braucht zusätzliche Speicherbereiche für:
Aktivierungen,
Gradienten,
Optimierungszustände.
Der Speicherbedarf kann daher deutlich über reiner Inferenz liegen.
Eine GPU, auf der ein Modell läuft, kann es nicht automatisch trainieren
Beispiel:
Modell läuft
→ 12 GB
daraus folgt nicht:
Training
→ ebenfalls 12 GB
Das sind unterschiedliche Arbeitslasten.
Quantisierte Fine-Tuning-Verfahren wie QLoRA wurden gerade entwickelt, um den Speicherbedarf solcher Anpassungen deutlich zu reduzieren. Die Transformers-Dokumentation beschreibt 4-Bit-Quantisierung ausdrücklich auch im Zusammenhang mit QLoRA. (Hugging Face)
Hardware für Fine-Tuning sollte deshalb separat geplant werden
Wenn dein Ziel nur lautet:
lokales Modell benutzen
musst du nicht unnötig Hardware für Training kaufen.
Wenn Fine-Tuning geplant ist:
andere Rechnung.
Mehr RAM kann bei Fine-Tuning ebenfalls wichtig werden
Datenaufbereitung.
Datensätze.
Checkpointing.
Offloading.
Training ist insgesamt speicher- und I/O-intensiver als ein einzelner Chat.
Das wird beim konkreten Fine-Tuning-Setup separat gemessen.
Für einen KI-Rechner ist Aufrüstbarkeit wertvoll
Lokale KI entwickelt sich schnell.
Heute:
ein Modell.
Morgen:
größerer VRAM-Bedarf.
Deshalb kann ein System attraktiv sein, das später:
mehr RAM,
zweite SSD,
zweite GPU
aufnehmen kann.
Aber für theoretische Erweiterbarkeit sollte man nicht unverhältnismäßig viel bezahlen
„Vielleicht irgendwann drei GPUs“ kann sonst heute zu:
riesigem Mainboard,
riesigem Netzteil,
riesigem Gehäuse
führen, das nie genutzt wird.
Die Wahrscheinlichkeit der Erweiterung sollte realistisch eingeschätzt werden.
Eine zweite GPU ist eine ganz konkrete Entscheidung
Vorher prüfen:
Passt sie physisch?
Genug PCIe-Anbindung?
Genug Netzteilleistung?
Genug Anschlüsse?
Genug Kühlung?
Unterstützt die Software meinen gewünschten Split?
Erst wenn alle Fragen beantwortet sind, ist Multi-GPU wirklich geplant.
Unterschiedliche Aufgaben können unterschiedliche Upgradepfade haben
Zu wenig Modellkapazität:
mehr VRAM
Zu geringe Batchleistung:
zweite GPU
Zu wenig Dateispeicher:
größere SSD
CPU-Offload zu langsam:
stärkere CPU / mehr GPU-Offload
Es gibt keinen universellen KI-Upgrade-Knopf.
Monitoring zeigt den echten Engpass
Beispiel:
GPU:
99 %
VRAM:
70 %
Dann könnte mehr Rechenleistung helfen.
Anderes System:
GPU:
60 %
VRAM:
99 %
Nun ist eher Speicher die Grenze.
Oder die GPU langweilt sich
GPU:
20 %
aber:
CPU:
100 %
Vielleicht liegt zu viel Inferenz auf der CPU.
Oder Datenvorbereitung ist langsam.
Oder die Anwendung liefert der GPU nicht genügend Arbeit.
Ohne Monitoring wäre ein GPU-Upgrade möglicherweise Geldverschwendung.
Deshalb erst messen, dann kaufen
Workload
↓
Monitoring
↓
Engpass
↓
Upgrade
Das ist dieselbe vernünftige Methode wie bei normalen Servern.
Ein KI-Server braucht auch Netzwerk
Wenn nur lokal am selben PC gearbeitet wird:
wenig relevant.
Wenn zehn Geräte zugreifen:
Netzwerk wird Teil der Architektur.
Clients
↓
LAN
↓
KI-Server
Textanfragen selbst erzeugen typischerweise keine riesigen Datenmengen.
Bei:
großen Dateien,
Bildern,
Videos,
Modellübertragung
kann Netzwerkbandbreite jedoch wichtiger werden.
Gigabit-Ethernet kann für viele Textanwendungen reichen
Ein Prompt und eine Textantwort sind relativ klein.
Du brauchst nicht automatisch:
100-Gbit-Netzwerk
für einen internen Chatserver.
Bei:
großen RAG-Dokumenten,
zentralem Storage,
mehreren Servern
können schnellere Netze interessant werden.
WLAN funktioniert ebenfalls, ist aber weniger vorhersehbar
Für Chat:
oft problemlos.
Für:
große Modellfiles,
Server-Backups,
viele parallele Dateitransfers
ist kabelgebundenes Netzwerk häufig angenehmer.
Ein lokaler KI-Server kann trotzdem aus dem Internet erreichbar sein
Zum Beispiel über:
VPN.
Das ändert die Hardwareanforderungen kaum.
Aber die Sicherheitsanforderungen steigen.
Wie bereits unter lokale KI beschrieben, sollte eine Inference-API nicht unnötig offen im Internet stehen.
Die Hardware muss zur Betriebsdauer passen
Desktop:
ein paar Stunden täglich
Server:
24/7
Beim Dauerbetrieb werden Eigenschaften wichtiger wie:
Stromverbrauch,
Temperatur,
Lüfterqualität,
Datenträgerhaltbarkeit,
Monitoring.
Ein lokaler Server muss nicht immer laufen
Automatisierungen finden nur nachts statt?
Dann könnte die Maschine:
bei Bedarf starten
oder:
nur zu bestimmten Zeiten aktiv sein.
Das spart Strom.
Ob automatisches Ein- und Ausschalten praktisch ist, hängt vom Workflow ab.
Modellladezeit gehört dann zur Rechnung
Wenn der Server für jede einzelne Anfrage erst:
booten
↓
Modell laden
↓
antworten
muss, wird die Nutzererfahrung schlecht.
Für seltene Batchjobs kann das trotzdem völlig sinnvoll sein.
Der beste Rechner für Chat ist nicht zwingend der beste Batchserver
Chat optimiert:
niedrige Latenz
Batch:
hoher Durchsatz
Multi-GPU-Konfigurationen können je nach Parallelisierungsstrategie diese Ziele unterschiedlich gut unterstützen; llama.cpp unterscheidet beispielsweise Layer- und Tensor-Splits ausdrücklich auch nach ihren Performancecharakteristika, während vLLM für hohe Servinglast verschiedene Formen von Tensor-, Pipeline- und Data-Parallelität anbietet. (GitHub)
Für Hardwarevergleiche sollte deshalb der richtige Benchmark gewählt werden
Nicht:
Irgendein KI-Benchmark
sondern möglichst:
mein Modell
+
meine Quantisierung
+
meine Kontextgröße
+
meine Engine
Dann erhältst du eine Zahl, die für deine Anwendung Bedeutung hat.
Tokens pro Sekunde sind für LLMs nützlich
Eine häufige Kennzahl lautet:
Tokens / Sekunde
Sie beschreibt ungefähr, wie schnell die Ausgabe generiert wird.
Aber sie ist nicht die einzige relevante Größe.
Zeit bis zum ersten Token ist für Chat besonders wichtig
Ein Modell kann anschließend:
50 Tokens/s
erzeugen.
Wenn es vorher:
30 Sekunden
für einen riesigen Prompt benötigt, wirkt die Anwendung trotzdem langsam.
Daher sollte man unterscheiden:
Prompt / Prefill
und:
Token Generation
Multi-GPU- und Serving-Systeme optimieren diese Phasen teilweise unterschiedlich. llama.cpp beschreibt in seiner Multi-GPU-Dokumentation beispielsweise unterschiedliche Eigenschaften von Pipeline- und Tensor-Parallelismus bei Prefill und Token-Generation. (GitHub)
Durchsatz wird für Server wichtiger
Ein Modell antwortet einem Nutzer:
sehr schnell.
Aber sobald Nutzer zwei dazukommt:
alles blockiert.
Dann ist Einzelrequest-Geschwindigkeit nicht genug.
Für einen Server interessiert zusätzlich:
Anfragen pro Sekunde
Tokens pro Sekunde über alle Nutzer
maximale parallele Sequenzen
Batchfähigkeit ist eine Software- und Hardwarefrage
Eine geeignete Serving Engine kann mehrere Anfragen bündeln beziehungsweise effizient parallel verarbeiten.
Das kann die GPU besser auslasten.
Benötigt aber ebenfalls Speicher für parallele Sequenzen. vLLM koppelt deshalb Batch- und Concurrency-Einstellungen explizit an den verfügbaren KV-Cache-Speicher. (vLLM)
Mehr VRAM kann dadurch auch mehr Durchsatz bedeuten
Nicht nur:
größeres Modell
sondern:
mehr gleichzeitige Kontexte
können von zusätzlichem Speicher profitieren.
Das ist besonders bei Servern wichtig.
Warum VRAM einen eigenen Artikel braucht
Wir haben nun bereits mehrere unterschiedliche Verbraucher:
Modellgewichte
KV-Cache
Kontext
Parallelität
temporäre Daten
Dazu:
Quantisierung
und:
Multi-GPU
Das lässt sich nicht sinnvoll auf:
8 GB klein, 16 GB gut, 24 GB besser
reduzieren.
Darum behandeln wir VRAM als nächsten eigenständigen Grundlagenartikel.
Vor dem Hardwarekauf sollte ein Modell ausprobiert werden
Wenn möglich:
auf vorhandener Hardware.
Cloud-GPU für einen kurzen Test.
geliehene Maschine.
kleinere Variante.
Damit lässt sich herausfinden:
Ist die Modellqualität überhaupt ausreichend?
Es wäre ärgerlich, für ein bestimmtes 30B-Modell Hardware zu kaufen und danach festzustellen:
Ein 8B-Modell löst die Aufgabe genauso gut.
Hardware sollte nicht das Experiment vorwegnehmen
Ein sehr guter Ablauf:
1. Aufgabe definieren
↓
2. Testdaten erstellen
↓
3. Modelle vergleichen
↓
4. Quantisierungen vergleichen
↓
5. benötigten Speicher messen
↓
6. gewünschte Geschwindigkeit definieren
↓
7. Hardware wählen
Das minimiert Fehlkäufe.
Ein einfaches Planungsschema
Frage 1:
Was soll die KI tun?
Frage 2:
Welches kleinste Modell
erfüllt die Qualitätsanforderung?
Frage 3:
Wie viel Speicher braucht
dieses Modell in meiner Konfiguration?
Frage 4:
Wie viele Nutzer / Jobs gleichzeitig?
Frage 5:
Welche Geschwindigkeit brauche ich?
Erst jetzt:
GPU auswählen.
CPU danach dimensionieren
Braucht die Anwendung:
viel Offloading?
umfangreiche Datenverarbeitung?
gleichzeitige Dienste?
Wenn nein:
muss die CPU nicht zwingend der teuerste Prozessor am Markt sein.
RAM danach dimensionieren
System
+
Dienste
+
Offloading
+
Reserve
Nicht:
genau genug,
damit es gerade startet
SSD danach dimensionieren
Modelle
+
Daten
+
Datenbanken
+
Logs
+
Wachstum
und gegebenenfalls:
Backups separat.
Mainboard danach
Ein GPU:
einfach.
Zwei GPUs:
Slot- und Laneplanung.
Drei GPUs:
bereits deutlich anspruchsvoller.
Netzteil und Kühlung zuletzt – aber nicht als Nebensache
Wenn feststeht:
welche GPUs,
welche CPU,
wie viele Laufwerke,
kann das Netzteil sinnvoll dimensioniert werden.
Gehäuse und Kühlung müssen diese Komponenten auch physisch und thermisch beherrschen.
Ein minimalistischer lokaler KI-Rechner
Konzeptionell:
CPU
↓
genug RAM
1 GPU
↓
genug VRAM
1 schnelle SSD
Mehr braucht ein großer Teil privater lokaler KI-Anwendungen prinzipiell nicht.
Ein KI-Server für mehrere Dienste
CPU
↓
viel RAM
GPU 1
GPU 2
mehrere SSDs
schnelles Netzwerk
Monitoring
Dann kommen Infrastrukturthemen stärker ins Spiel.
Eine universelle „beste KI-Hardware“ gibt es nicht
Der Nutzer mit:
kleinem 7B-Chatmodell
hat andere Anforderungen als jemand mit:
großem Modell über zwei GPUs
und wieder andere als:
100 gleichzeitige API-Nutzer
Deshalb sind pauschale Hardwarelisten schnell irreführend.
Der wichtigste Hardwarewert hängt von der Aufgabe ab
LLM passt nicht:
VRAM
LLM ist zu langsam:
GPU-Leistung / Speicherbandbreite
CPU-Offload langsam:
CPU / RAM-Bandbreite
Modell lädt langsam:
SSD
zwei GPUs kommunizieren langsam:
Interconnect / PCIe
Server blockiert bei vielen Nutzern:
GPU-Kapazität / Servingarchitektur
Hardware sollte als System betrachtet werden
Eine riesige GPU an:
zu wenig RAM,
schlechter Kühlung,
knappem Netzteil
ist kein guter KI-Server.
Ebenso ist:
128 GB RAM
keine Lösung, wenn das gewünschte Modell für interaktive Nutzung fast vollständig über eine langsame CPU laufen muss.
Die Komponenten müssen zusammenpassen.
Was du dir über KI-Hardware merken solltest
Für lokale KI ist die Grafikkarte häufig die wichtigste Komponente.
Aber die eigentliche Kaufentscheidung beginnt nicht bei der GPU.
Sie beginnt beim Anwendungsfall.
Aufgabe
↓
Modell
↓
Quantisierung
↓
Kontext
↓
Parallelität
↓
Hardware
Bei diskreten GPUs sind CPU-RAM und GPU-Speicher getrennte Bereiche. Jede GPU besitzt ihren eigenen Device-Speicher; bei mehreren GPUs entsteht daher nicht automatisch ein gemeinsamer großer VRAM-Pool. (NVIDIA Docs)
Für schnelle LLM-Inferenz ist besonders wichtig:
Passt das Modell
mitsamt Laufzeitdaten
in den VRAM?
Der Speicherbedarf besteht nicht nur aus:
Modellgewichten
sondern zusätzlich beispielsweise aus:
KV-Cache
temporären Daten
Serving-Reserven
Inference-Engines wie vLLM verwalten den KV-Cache deshalb ausdrücklich als eigenen GPU-Speicherbereich. (vLLM)
Die Kontextlänge beeinflusst diesen Bedarf.
mehr Kontext
↓
mehr Cache
↓
mehr Speicher
Auch parallele Nutzer erhöhen den Speicherbedarf für laufende Sequenzen. (vLLM)
Quantisierung reduziert den Speicherbedarf der Modellgewichte, indem niedrigere numerische Präzision verwendet wird. Moderne Frameworks unterstützen dafür unter anderem 8- und 4-Bit-Verfahren. (Hugging Face)
Dadurch ergibt sich eine wichtige Reihenfolge:
genug VRAM?
↓
ja
↓
wie schnell ist die GPU?
Nicht:
welche GPU ist im Gaming
am schnellsten?
Die CPU bleibt wichtig für:
Orchestrierung
Datenverarbeitung
Offloading
CPU-Inferenz
aber sie ist bei vollständig GPU-residenten Sprachmodellen häufig nicht die erste Dimensionierungsgrenze.
Der RAM wird wichtig für:
Betriebssystem
Dienste
Datenbanken
RAG
CPU-Offloading
und sollte ausreichend Reserve besitzen.
Bei Apple Silicon existiert eine andere Architektur: CPU und GPU teilen denselben physischen Unified Memory, statt wie bei typischen diskreten GPU-Systemen jeweils getrennte RAM- und VRAM-Bereiche zu besitzen. (Apple Developer)
Die SSD bestimmt vor allem:
Modellspeicher
Ladezeiten
Datenbestände
RAG-Daten
Backups
nicht unmittelbar die Geschwindigkeit jedes erzeugten Tokens.
Bei Multi-GPU gilt:
16 GB + 16 GB
können softwareseitig für ein größeres Modell gemeinsam nutzbar gemacht werden.
Sie werden aber nicht physisch zu:
einer 32-GB-GPU
Mehrere Engines können Modelle über GPUs verteilen; llama.cpp unterstützt aktuell beispielsweise Layer- und Tensor-Split-Verfahren. (GitHub)
Je nach Split entsteht zusätzliche Kommunikation.
GPU 1
↔
GPU 2
Deshalb kann die Geschwindigkeit der Verbindung zwischen den GPUs relevant werden. Tensorparallelität ist typischerweise kommunikationsintensiver als eine einfache schichtweise Verteilung. (GitHub)
Mehrere GPUs können aber auch unabhängig voneinander arbeiten.
GPU 1
→ Modell / Nutzergruppe A
GPU 2
→ Modell / Nutzergruppe B
Das kann für hohe Serverlast einfacher und effizienter sein; Serving-Systeme wie vLLM unterstützen dafür auch replizierte Data-Parallel-Deployments. (vLLM)
Und schließlich gehören zu einem KI-Rechner ganz gewöhnliche technische Grundlagen:
ausreichendes Netzteil
geeignetes Mainboard
genügend Platz
guter Luftstrom
passende SSD-Kapazität
sinnvolle Netzwerkverbindung
Eine lokale KI-Maschine ist kein exotischer Computer.
Sie ist ein normaler Rechner mit ungewöhnlich speicher- und rechenintensivem Workload.
Die wichtigste praktische Erkenntnis lautet deshalb:
Kaufe nicht möglichst viel KI-Hardware. Kaufe die Hardware, die zu deinem kleinsten ausreichend guten Modell und deinem tatsächlichen Nutzungsszenario passt.
