Eine Videodatei heißt:
interview.mp4
Auf den ersten Blick scheint die Sache eindeutig zu sein:
Das Video ist ein MP4.
Technisch beantwortet diese Dateiendung allerdings nur einen Teil der Frage.
Denn in einer Videodatei stecken mehrere unterschiedliche Ebenen.
Zum Beispiel:
Videobild
+
Ton
+
Untertitel
+
Zeitinformationen
+
Metadaten
Diese Bestandteile werden in einem Container zusammengefasst.
Das eigentliche Videobild innerhalb des Containers kann wiederum mit einem bestimmten Codec komprimiert sein.
Vereinfacht:
MP4-Datei
├── Videospur: H.264
├── Audiospur: AAC
├── Untertitel
└── Metadaten
Eine andere MP4-Datei könnte dagegen enthalten:
MP4-Datei
├── Videospur: H.265
├── Audiospur: AAC
└── Metadaten
Beide Dateien enden auf .mp4.
Der Videocodec ist trotzdem unterschiedlich.
Genau deshalb muss man Container und Codec getrennt verstehen.
Der Container ist die Verpackung
Ein Container ist zunächst eine Struktur, in der verschiedene Medienströme gemeinsam gespeichert werden können.
Man kann ihn sich wie eine Schachtel vorstellen:
Container
┌────────────────────────┐
│ Video │
│ Audio │
│ Untertitel │
│ Kapitel │
│ Metadaten │
└────────────────────────┘
Der Container sorgt unter anderem dafür, dass ein Player weiß:
Welche Videospur gehört zur Datei?
Welche Audiospur?
Wann beginnt sie?
Welche Untertitel gehören dazu?
Wie lang ist das Video?
Der Codec bestimmt, wie Videodaten gespeichert werden
Das Wort Codec setzt sich gedanklich aus zwei Funktionen zusammen:
Coder
+
Decoder
beziehungsweise:
Encoder
+
Decoder
Beim Erstellen eines Videos werden Rohdaten kodiert.
Videoframes
↓
Encoder
↓
komprimierter Videostream
Beim Abspielen geschieht das Gegenteil.
komprimierter Videostream
↓
Decoder
↓
darstellbare Frames
Der Codec definiert Regeln dafür, wie diese Kompression und Rekonstruktion funktioniert.
Warum muss Video überhaupt komprimiert werden?
Ein einzelnes Foto kann bereits mehrere Megabyte groß sein.
Ein Video enthält dagegen jede Sekunde:
24,
25,
30,
50,
60
oder noch mehr Einzelbilder.
Nehmen wir beispielsweise UHD-4K:
3840 × 2160 Pixel
Das sind ungefähr:
8,3 Millionen Pixel
pro Frame.
Bei:
30 fps
müssen pro Sekunde etwa:
8,3 Millionen
×
30
≈
249 Millionen Pixelpositionen
beschrieben werden.
Und jeder Pixel benötigt wiederum Farbinformationen.
Unkomprimierte Videodaten wären daher enorm groß.
Ein einfaches Gedankenexperiment
Angenommen, jeder Pixel würde nur drei Bytes benötigen:
Rot
Grün
Blau
=
3 Bytes
Dann hätte ein unkomprimierter 4K-Frame ungefähr:
3840 × 2160 × 3
≈
24,9 MB
Bei 30 Frames pro Sekunde:
24,9 MB × 30
≈
747 MB pro Sekunde
Eine Minute läge bereits bei grob:
44 GB
Dabei ignoriert diese vereinfachte Rechnung noch viele reale technische Details.
Sie zeigt aber das grundlegende Problem:
Video braucht Kompression.
Warum lässt sich Video so stark komprimieren?
Weil Videos sehr viele wiederkehrende Informationen enthalten.
Stell dir ein Interview vor.
Im Hintergrund befindet sich eine weiße Wand.
Frame 1:
Person vor Wand
Frame 2:
Person vor fast derselben Wand
Frame 3:
Person vor fast derselben Wand
Die Wand muss nicht in jedem Frame vollständig neu beschrieben werden.
Zeitliche Redundanz
Viele Videocodecs nutzen aus, dass aufeinanderfolgende Frames einander ähneln.
Statt immer wieder zu speichern:
gesamte Wand
+
gesamte Person
+
gesamter Raum
kann vereinfacht gespeichert werden:
Bild ist fast wie vorher
+
Mund hat sich bewegt
+
Kopf etwas nach rechts
Diese zeitliche Ähnlichkeit ist einer der wichtigsten Gründe, warum Videokompression so effizient sein kann.
Räumliche Redundanz
Auch innerhalb eines einzelnen Frames existieren viele ähnliche Bereiche.
Ein blauer Himmel besteht vielleicht aus Millionen Pixeln mit sehr ähnlichen Farbwerten.
blau blau blau blau
blau blau blau blau
blau blau blau blau
Ein Codec muss diese Werte nicht zwingend völlig unabhängig voneinander speichern.
Auch innerhalb eines Frames kann daher stark komprimiert werden.
Videokompression arbeitet räumlich und zeitlich
Vereinfacht:
innerhalb eines Frames
→ räumliche Ähnlichkeit nutzen
und:
zwischen Frames
→ zeitliche Ähnlichkeit nutzen
Diese Kombination ermöglicht sehr kleine Dateien im Verhältnis zur ursprünglichen Datenmenge.
Verlustfreie und verlustbehaftete Kompression
Wie bei Bildformaten fürs Web muss zwischen zwei grundlegenden Prinzipien unterschieden werden.
Verlustfrei:
Originaldaten
↓
Kompression
↓
kleinere Datei
↓
vollständig rekonstruierbare Originaldaten
Verlustbehaftet:
Originaldaten
↓
Kompression
↓
bestimmte Informationen werden vereinfacht
↓
deutlich kleinere Datei
Die meisten normalen Videodistributionsformate arbeiten stark verlustbehaftet.
Warum ist verlustbehaftete Kompression sinnvoll?
Weil ein Video sonst sehr schnell gigantische Datenmengen erzeugen würde.
Der Encoder versucht deshalb, Informationen zu entfernen oder zu vereinfachen, die für den Betrachter möglichst wenig sichtbar sind.
Das Ziel lautet:
möglichst geringe Dateigröße
+
möglichst geringe sichtbare Qualitätsverluste
Nicht:
jedes ursprüngliche Bit erhalten
Kompression bedeutet immer einen Kompromiss
Mehr Kompression:
kleinere Datei
↓
größeres Risiko sichtbarer Artefakte
Weniger Kompression:
größere Datei
↓
mehr Bildinformation bleibt erhalten
Der ideale Punkt hängt vom Einsatzzweck ab.
Was ist H.264?
H.264 ist ein sehr verbreiteter Videokompressionsstandard.
Man begegnet dabei auch der Bezeichnung:
AVC, für Advanced Video Coding.
Vereinfacht kann man sich merken:
H.264
≈
AVC
Der Standard wird seit vielen Jahren für:
Webvideo,
Kameras,
Streaming,
Videodateien
verwendet.
Warum ist H.264 so erfolgreich?
Er bietet einen sehr brauchbaren Kompromiss aus:
Kompression,
Bildqualität,
Rechenaufwand,
breiter technischer Unterstützung.
Für viele normale Video-Workflows ist H.264 deshalb ein naheliegendes Austausch- beziehungsweise Auslieferungsformat.
H.264 ist kein Container
Eine Datei kann beispielsweise heißen:
video.mp4
und H.264 enthalten.
Aber:
MP4
≠
H.264
MP4 beschreibt die Verpackung.
H.264 beschreibt die Videokodierung.
H.264 kann auch in anderen Containern stecken
Abhängig vom konkreten System kann derselbe Videocodec in unterschiedlichen Containerformaten gespeichert werden.
Genau deshalb ist die Dateiendung allein keine vollständige technische Beschreibung.
Was ist H.265?
H.265 ist ein später entwickelter Videokompressionsstandard.
Er wird auch bezeichnet als:
HEVC, High Efficiency Video Coding.
Vereinfacht:
H.265
≈
HEVC
Das Ziel ist unter anderem, vergleichbare visuelle Qualität mit weniger Daten zu ermöglichen beziehungsweise bei ähnlicher Datenmenge höhere Qualität zu erreichen.
Warum braucht man effizientere Codecs?
Videoauflösungen und Bildraten steigen.
Aus:
1080p 25 fps
wird beispielsweise:
4K 50 fps
Wie im Artikel zu Videoauflösung und Bildrate erklärt, steigt damit die Informationsmenge enorm.
Effizientere Kompression hilft, diesen Datenzuwachs beherrschbar zu machen.
Höhere Effizienz hat einen Preis
Komplexere Kompression bedeutet typischerweise:
mehr Rechenaufwand beim Encoding,
mehr Anforderungen beim Decoding.
stärkere Kompressionseffizienz
↓
komplexere Berechnung
Ein kleineres Video kann beim Schnitt deshalb paradoxerweise anspruchsvoller sein als eine größere Datei mit einfacherem Aufbau.
Dateigröße und Rechenaufwand sind nicht dasselbe
Das ist eine der wichtigsten praktischen Erkenntnisse.
kleine Datei
≠
leicht zu bearbeiten
Ein stark komprimiertes Video benötigt beim Abspielen unter Umständen viele Berechnungen.
Ein weniger stark komprimiertes Schnittformat kann erheblich größer sein und trotzdem flüssiger bearbeitet werden.
Was ist AV1?
AV1 ist ein weiterer moderner Videocodec, der auf besonders effiziente Kompression für digitale Videoanwendungen abzielt.
Auch hier lautet die Grundidee:
hohe visuelle Qualität
+
möglichst geringe Datenrate
AV1 gehört damit in dieselbe grundlegende Problemklasse wie H.264 und H.265:
Wie lassen sich große Videodaten effizient speichern und übertragen?
Ein neuerer Codec ist nicht automatisch für jeden Workflow besser
Denn für praktische Nutzung sind mehrere Faktoren entscheidend:
Kompressionseffizienz
+
Encoding-Geschwindigkeit
+
Decoding-Leistung
+
Softwareunterstützung
+
Hardwareunterstützung
+
Zielplattform
Ein theoretisch effizienterer Codec kann unpraktisch sein, wenn die eingesetzte Produktions- oder Wiedergabekette ihn schlecht verarbeitet.
Codecwahl ist deshalb eine Systemfrage
Nicht:
Welcher Codec ist technisch der modernste?
Sondern:
Welcher Codec funktioniert
in meinem gesamten Workflow?
Encoder und Decoder
Ein Codecstandard beschreibt Regeln.
Der Encoder ist die konkrete Software beziehungsweise Hardware, die daraus einen komprimierten Stream erzeugt.
Frames
↓
H.264-Encoder
↓
H.264-Videostream
Der Decoder rekonstruiert das Material für die Wiedergabe.
H.264-Videostream
↓
H.264-Decoder
↓
Frames
Zwei Encoder können unterschiedliche Ergebnisse liefern
Auch wenn beide denselben Codec verwenden.
Warum?
Weil sie unterschiedliche Entscheidungen treffen können über:
Bewegungsanalyse,
Bitverteilung,
Qualitätsoptimierung,
Geschwindigkeit.
Deshalb bedeutet:
H.264
nicht automatisch:
immer exakt gleiche Bildqualität
Encoding braucht Zeit
Ein Encoder kann sehr schnell arbeiten.
Oder:
eine Szene intensiv analysieren.
Mehr Analyse kann bessere Kompressionsentscheidungen ermöglichen.
Deshalb gibt es häufig einen Zusammenhang zwischen:
Encoding-Geschwindigkeit
↔
Kompressionseffizienz
Ein langsamerer Export kann bei derselben Zielqualität kleinere beziehungsweise effizientere Dateien ermöglichen.
Echtzeitaufnahme braucht schnelle Entscheidungen
Eine Kamera nimmt gerade 4K mit 60 fps auf.
Sie kann nicht zehn Minuten überlegen, wie Frame 17 am effizientesten kodiert wird.
Die Daten müssen unmittelbar verarbeitet und auf die Speicherkarte geschrieben werden.
Offline-Encoding hat mehr Zeit
Beim späteren Webexport kann ein Rechner wesentlich länger analysieren.
fertiger Master
↓
langsame Analyse
↓
effizienter Webencode
Darum können Aufnahme- und Auslieferungsformate unterschiedliche Prioritäten haben.
Intra-Frame-Kompression
Eine Möglichkeit besteht darin, jeden Frame weitgehend für sich zu komprimieren.
Vereinfacht:
Frame 1
→ einzeln komprimiert
Frame 2
→ einzeln komprimiert
Frame 3
→ einzeln komprimiert
Man spricht konzeptionell von Intra-Frame-Kompression.
Vorteil für den Schnitt
Wenn Frame 387 benötigt wird, muss die Software weniger Informationen aus anderen Frames rekonstruieren.
Frame 387
↓
direkt dekodieren
Das kann Bearbeitung erleichtern.
Nachteil
Man nutzt weniger stark aus, dass benachbarte Frames einander ähneln.
Dadurch benötigt das Material typischerweise mehr Daten.
Inter-Frame-Kompression
Hier werden Beziehungen zwischen mehreren Frames genutzt.
Frame A
↓
Frame B beschreibt Unterschiede
↓
Frame C beschreibt weitere Unterschiede
Das kann erheblich effizienter sein.
Long GOP
Ein häufig verwendetes Prinzip ist eine Gruppe von Frames, innerhalb der verschiedene Bildtypen zusammenarbeiten.
GOP steht für:
Group of Pictures.
Vereinfacht:
I
B
B
P
B
B
P
...
Die genaue Struktur hängt vom Codec und den Encoding-Einstellungen ab.
Was ist ein I-Frame?
Ein I-Frame ist vereinfacht ein relativ eigenständig kodiertes Bild.
Man kann ihn als wichtigen Bezugspunkt innerhalb einer Framegruppe verstehen.
I-Frame
↓
relativ vollständige Bildinformation
Er benötigt keine vorherigen Videoframes, um in derselben Weise wie abhängige Frames rekonstruiert zu werden.
I steht für Intra
Der Frame wird primär aus Informationen innerhalb des eigenen Bildes aufgebaut.
Er ist konzeptionell näher an einem einzeln komprimierten Bild.
Was ist ein P-Frame?
Ein P-Frame kann Informationen aus bereits vorhandenen Referenzbildern nutzen.
Statt alles neu zu speichern, kann er vereinfacht beschreiben:
Bereich bleibt gleich
+
Person hat sich verschoben
+
Mund hat sich verändert
Dadurch braucht er weniger Daten.
Was ist ein B-Frame?
Ein B-Frame kann vereinfacht Informationen aus mehreren zeitlichen Richtungen beziehungsweise Referenzen nutzen.
Dadurch lässt sich häufig noch effizienter komprimieren.
Die genaue technische Funktionsweise moderner Codecs ist wesentlich komplexer als dieses Modell.
Für das Verständnis reicht:
I-Frame
→ relativ selbstständig
P-/B-Frames
→ nutzen andere Frames als Referenz
Warum spart das so viel Speicher?
Angenommen, ein Interview läuft zehn Sekunden.
Der Hintergrund verändert sich praktisch nicht.
Es wäre verschwenderisch, die Wand in jedem Frame vollständig neu zu speichern.
Stattdessen:
I-Frame
→ beschreibt Ausgangsszene
danach:
Folgeframes
→ beschreiben hauptsächlich Veränderungen
Warum erschwert das den Schnitt?
Du springst in der Timeline zu einem bestimmten Frame.
Der Decoder muss möglicherweise zuerst einen früheren Referenzframe finden und weitere Informationen rekonstruieren.
gewünschter Frame
↓
Referenz-I-Frame suchen
↓
abhängige Frames berechnen
↓
gewünschtes Bild darstellen
Bei vielen hochauflösenden Videospuren gleichzeitig kann das den Rechner stark belasten.
Deshalb gibt es schnittfreundliche Formate
Für die Bearbeitung werden häufig Formate beziehungsweise Codeceinstellungen bevorzugt, die:
leichter zu dekodieren,
framegenauer,
weniger stark voneinander abhängig
sind.
Dafür dürfen die Dateien größer sein.
Produktionscodec und Distributionscodec verfolgen unterschiedliche Ziele
Produktionsformat:
leichter Schnitt
+
hohe Qualität
+
große Dateien akzeptabel
Distributionsformat:
kleine Datei
+
effiziente Übertragung
+
gute Wiedergabe
Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Was sind Proxies?
Wenn das Originalmaterial sehr schwer zu dekodieren ist, können Video-Grundlagen zufolge kleinere Arbeitskopien erzeugt werden.
Original
↓
Proxy-Transcoding
↓
leicht bearbeitbare Proxydatei
Der Schnitt verwendet:
Proxy.
Der finale Export greift wieder auf:
Original.
Proxy und Codec hängen eng zusammen
Ein Proxy kann:
niedrigere Auflösung,
niedrigere Datenrate
oder:
einen schnittfreundlicheren Codec
verwenden.
Dadurch reagiert die Timeline wesentlich flüssiger.
Was ist Transcoding?
Transcoding bedeutet, Videomaterial in eine andere Kodierung zu überführen.
Codec A
↓
dekodieren
↓
Frames
↓
Codec B
↓
neue Datei
Zum Beispiel:
Kameraformat
↓
Schnittformat
oder:
Master
↓
Webformat
Transcoding ist nicht einfach Dateiendung ändern
Aus:
video.mov
wird nicht durch Umbenennen:
video.mp4
eine technisch korrekt umkodierte MP4-Datei.
Container und Streams müssen tatsächlich neu organisiert beziehungsweise kodiert werden.
Rewrapping
Es gibt allerdings einen verwandten Vorgang:
Ein vorhandener Videostream kann unter bestimmten Voraussetzungen ohne erneute Videokompression in einen anderen Container verpackt werden.
Vereinfacht:
Videostream
↓
alter Container entfernen
↓
neuer Container
Dabei wird das Bild nicht zwangsläufig neu kodiert.
Das wird häufig als:
Rewrapping
bezeichnet.
Vorteil
Keine neue verlustbehaftete Videokompression.
Sehr schnell.
Aber es funktioniert nur, wenn:
der vorhandene Codec mit dem Zielcontainer beziehungsweise Zielsystem sinnvoll kompatibel ist.
Transcoding dagegen kann neu komprimieren
Das bedeutet bei verlustbehafteten Codecs:
erneuter Qualitätsverlust ist möglich.
Original
↓
verlustbehaftetes Encoding
↓
Version A
↓
erneutes Encoding
↓
Version B
Jede Stufe kann weitere Informationen verwerfen.
Generation Loss
Der Qualitätsverlust über mehrere verlustbehaftete Generationen wird häufig als Generation Loss bezeichnet.
Ähnlich wie beim wiederholten JPEG-Speichern.
Deshalb Master erhalten
Ein robuster Workflow:
hochwertiges Original
↓
Schnitt
↓
hochwertiger Master
├── Webversion
├── Socialversion
└── Präsentationsversion
Nicht:
Webversion
↓
Socialversion
↓
nochmal Webversion
Immer vom besten verfügbaren Master ableiten
Das verhindert unnötige Qualitätsverluste.
Bitrate und Codec
Wie im Grundlagenartikel erwähnt, beschreibt die Bitrate ungefähr die Datenmenge pro Zeiteinheit.
Zum Beispiel:
10 Mbit/s
oder:
50 Mbit/s
Die sichtbare Qualität hängt aber stark vom Codec ab.
Codec A
+
10 Mbit/s
kann anders aussehen als:
Codec B
+
10 Mbit/s
Bitrate ist kein universeller Qualitätswert
Auch innerhalb desselben Codecs spielen eine Rolle:
Auflösung,
Bildrate,
Bildinhalt,
Encoder,
Encoding-Einstellungen.
Ruhiges Interview
Relativ leicht zu komprimieren.
ruhiger Hintergrund
+
wenig Bewegung
Fußballspiel
Deutlich schwieriger.
Kamera bewegt sich
+
viele Spieler
+
Rasenstruktur
+
Publikum
+
schnelle Bewegung
Gleiche Bitrate kann beim Fußball wesentlich mehr sichtbare Artefakte erzeugen.
Constant Bitrate
Bei einer konstanten Bitrate, kurz CBR, soll die Datenrate über die Zeit relativ konstant bleiben.
Vereinfacht:
Sekunde 1
→ 10 Mbit
Sekunde 2
→ 10 Mbit
Sekunde 3
→ 10 Mbit
Das kann für bestimmte Übertragungs- und Echtzeitanwendungen nützlich sein.
Variable Bitrate
Bei VBR kann der Encoder komplexen Szenen mehr Daten geben und einfachen weniger.
ruhige Szene
→ wenig Daten
komplexe Action
→ mehr Daten
Das kann die verfügbare Dateigröße effizienter nutzen.
Zwei-Pass-Encoding
Bei bestimmten Offline-Encoding-Verfahren kann der Encoder das Video zunächst analysieren.
Erster Durchlauf:
Video analysieren
↓
komplizierte und einfache Stellen erkennen
Zweiter Durchlauf:
verfügbare Daten
optimaler verteilen
Das kostet mehr Zeit, kann aber besonders bei festem Dateigrößenziel effizient sein.
Qualitätsbasiertes Encoding
Statt eine fixe Bitrate vorzugeben, kann ein Encoder auch versuchen, eine bestimmte visuelle Qualitätsstufe zu halten.
Dann schwankt die Bitrate je nach Szenenkomplexität.
einfache Szene
→ kleine Datenrate
schwierige Szene
→ größere Datenrate
Für viele Datei- und Webworkflows kann dieses Prinzip sehr sinnvoll sein.
Was bedeutet Chroma Subsampling?
Videodaten enthalten nicht nur Helligkeit, sondern auch Farbinformation.
Die menschliche Wahrnehmung reagiert auf feine Helligkeitsdetails stärker als auf ebenso feine Farbauflösung.
Videocodecs können das nutzen.
Helligkeit und Farbe getrennt behandeln
Vereinfacht:
Luma
→ Helligkeitsinformation
Chroma
→ Farbinformation
Die Farbinformation kann räumlich niedriger aufgelöst werden, ohne dass der Qualitätsverlust bei normalen Bildern sofort stark auffällt.
4:4:4
Vereinfacht:
volle Farbinformation in Relation zur Helligkeitsabtastung.
4:2:2
Farbauflösung wird horizontal reduziert.
4:2:0
Farbinformation wird stärker reduziert.
Das ist bei Distributionsvideo sehr verbreitet.
Warum funktioniert 4:2:0 überraschend gut?
Ein normales Foto beziehungsweise Video besteht überwiegend aus:
natürlichen Flächen,
Haut,
Landschaft,
Bewegung.
Unsere Wahrnehmung toleriert geringere Farbauflösung dort relativ gut.
Wann wird hohe Farbauflösung wichtiger?
Zum Beispiel bei:
Greenscreen,
starker Farbkorrektur,
Compositing,
Grafiken,
feinen farbigen Kanten.
Greenscreen
Der Rand zwischen:
grünem Hintergrund
und:
Haar
muss möglichst präzise analysiert werden.
Mehr Farbinformation kann das Keying erleichtern.
mehr Chroma-Information
↓
präzisere Farbkante
↓
bessere Freistellung
Webauslieferung braucht diese Reserve häufig nicht
Beim fertigen Video ist die Komposition bereits abgeschlossen.
Für normale Wiedergabe kann stärker reduzierte Farbauflösung sehr effizient sein.
Wieder zeigt sich:
Produktionsformat
≠
Distributionsformat
Bittiefe bei Video
Wie bei RAW und JPEG bestimmt die Bittiefe, wie fein Werte abgestuft werden können.
Video begegnet häufig beispielsweise als:
8 Bit
oder:
10 Bit
pro Kanal beziehungsweise Signalstruktur.
Mehr Bittiefe bedeutet mehr Abstufungsreserve
Das kann besonders hilfreich sein bei:
Farbkorrektur,
Log-Aufnahmen,
Himmelverläufen,
starkem Grading.
8 Bit
Pro Kanalgröße stehen vereinfacht:
256 Abstufungen
zur Verfügung.
10 Bit
1024 Abstufungen
pro Kanalgröße.
Das sind viermal so viele Abstufungen pro Kanal.
Warum hilft das?
Ein weicher Himmelverlauf kann bei intensiver Bearbeitung schneller sichtbare Stufen zeigen, wenn zu wenige Zwischenwerte vorhanden sind.
Mehr Bittiefe bietet größere Bearbeitungsreserve.
Mehr Bittiefe ist nicht dasselbe wie mehr Dynamikumfang
Die Begriffe hängen im Workflow zusammen, sind aber nicht identisch.
Dynamikumfang beschreibt:
welchen Helligkeitsbereich die Aufnahme sinnvoll erfassen kann.
Bittiefe beschreibt:
wie fein Werte innerhalb eines dargestellten beziehungsweise gespeicherten Bereichs abgestuft werden können.
Ein 10-Bit-Video ist nicht automatisch besser belichtet
Auch hier gilt:
mehr technische Reserve ersetzt keine gute Aufnahme.
Codecprofile und Levels
Bei Codecs begegnen manchmal zusätzliche Angaben wie:
Profile
und:
Levels.
Sie beschreiben bestimmte Fähigkeits- beziehungsweise Komplexitätsgrenzen innerhalb eines Codecs.
Zum Beispiel können sie festlegen beziehungsweise begrenzen:
Auflösung,
Bildrate,
Bittiefe,
Decoding-Komplexität.
Muss man Profile auswendig lernen?
Für normale Contentproduktion:
meist nicht.
Wichtig ist das Prinzip:
Codecname allein
beschreibt noch nicht
jede technische Eigenschaft
Ein H.264-Stream kann unterschiedliche Parameter verwenden.
Hardware-Decoding
Moderne Prozessoren und Grafikeinheiten können bestimmte Videocodecs direkt in spezialisierter Hardware dekodieren.
Videostream
↓
Hardware-Decoder
↓
Frames
Das ist wesentlich effizienter, als jeden Schritt ausschließlich über allgemeine CPU-Berechnung auszuführen.
Warum ist das wichtig?
Ein Rechner kann einen modernen Codec theoretisch unterstützen.
Aber ohne Hardware-Decoding muss die CPU möglicherweise sehr viel Arbeit leisten.
Dann entstehen:
ruckelnde Timeline,
hohe CPU-Auslastung,
mehr Stromverbrauch.
Hardware-Encoding
Dasselbe Prinzip existiert beim Export.
Spezialisierte Hardware kann bestimmte Codecs sehr schnell kodieren.
Vorteil:
schneller Export.
Software-Encoding
Kann je nach Encoder mehr Rechenzeit investieren und möglicherweise andere Qualitäts- beziehungsweise Effizienzprioritäten besitzen.
Der optimale Weg hängt vom Ziel ab.
Schnellster Export ist nicht immer kleinste Datei
Hardware-Encoding kann hervorragend für:
schnelle Produktion,
Livestreaming,
Massenausgabe
sein.
Ein langsamer hochwertiger Offline-Encode kann für eine endgültige Webversion andere Vorteile besitzen.
Codec-Unterstützung ist eine ganze Kette
Ein Format muss nicht nur von der Kamera unterstützt werden.
Sondern gegebenenfalls auch von:
Kamera
↓
Schnittprogramm
↓
Betriebssystem
↓
GPU / CPU
↓
Exportsoftware
↓
Browser / Player
↓
Endgerät
Ein Problem an nur einer Stelle kann den Workflow erschweren.
Deshalb vorher testen
Bevor ein dreitägiger Dreh vollständig in einem exotischen Aufnahmeformat erfolgt:
Testclip aufnehmen
↓
auf Schnittrechner kopieren
↓
abspielen
↓
schneiden
↓
exportieren
Ein fünfminütiger Test kann massive Probleme verhindern.
Was ist MP4?
MP4 ist ein sehr verbreitetes Containerformat.
Es kann unter anderem enthalten:
Videostream,
Audiostream,
Untertitel,
Metadaten.
Ein typisches Beispiel:
video.mp4
├── H.264 Video
└── AAC Audio
Das ist eine verbreitete Kombination für digitale Auslieferung.
Was ist MOV?
MOV ist ebenfalls ein Containerformat.
Auch darin können unterschiedliche Codecs enthalten sein.
Die Dateiendung:
.mov
sagt daher ebenfalls nicht automatisch:
welche Videokompression verwendet wurde.
MOV ist nicht automatisch unkomprimiert
Ein häufiges Missverständnis lautet:
MOV
=
hochwertig
und:
MP4
=
komprimiert
So einfach ist es nicht.
Beide sind Container.
Der enthaltene Codec und dessen Einstellungen sind entscheidend.
Was ist MKV?
Matroska beziehungsweise MKV ist ein flexibles Containerformat, das unterschiedliche:
Video-,
Audio-,
Untertitelspuren
aufnehmen kann.
Es ist besonders praktisch, wenn mehrere Spuren beziehungsweise komplexe Medienkombinationen in einer Datei benötigt werden.
Was ist WebM?
WebM ist ein Containerformat, das speziell im Kontext offener Webmedien eine Rolle spielt.
Auch hier muss Container von Codec getrennt werden.
WebM
→ Container
Der enthaltene Video- und Audiocodec ist eine weitere Frage.
Dateiendung ist deshalb nur der Anfang
Wenn jemand sagt:
Schick mir das Video als MP4.
ist die technische Anforderung unvollständig.
Zusätzlich relevant könnten sein:
Videocodec
Audio-Codec
Auflösung
Bildrate
Bittiefe
Bitrate
Für einfache Alltagskommunikation ist „MP4“ oft ausreichend.
Für professionelle Übergaben sollte die Spezifikation genauer sein.
Audio besitzt ebenfalls Codecs
Eine Videodatei enthält nicht einfach „Ton“.
Die Audiospur kann ebenfalls komprimiert sein.
Ein verbreitetes Beispiel ist:
AAC.
Konzeptionell:
MP4
├── H.264 Video
└── AAC Audio
Video- und Audio-Codec sind voneinander unabhängig
Man könnte theoretisch denselben Videocodec mit unterschiedlichen Audiocodecs kombinieren, sofern Container und Wiedergabesystem dies unterstützen.
Mehrere Audiospuren
Ein Container kann beispielsweise enthalten:
Audio 1
→ Deutsch
Audio 2
→ Englisch
Audio 3
→ Audiodeskription
Das ist einer der Gründe, warum Container mehr sind als bloße Dateiendungen.
Untertitel
Auch Untertitel können als separate Spur beziehungsweise Ressource eingebunden werden.
Das ist flexibler als Text dauerhaft in das Videobild einzubrennen.
Video
+
Untertitelspur
Der Player kann sie:
anzeigen,
ausblenden,
wechseln.
Eingebrannte Untertitel
Sind dagegen Teil des Videobildes selbst.
Frame
↓
Text bereits in Pixeln
Sie können nicht einfach ausgeschaltet werden.
Metadaten
Container können zusätzliche Informationen enthalten.
Zum Beispiel:
Titel,
Erstellungszeit,
Kapitelinformationen,
technische Angaben.
Wie umfangreich das genutzt wird, hängt vom Workflow ab.
GOP-Länge und Suchbarkeit
Wenn ein Video nur selten I-Frames enthält, kann die Datei stärker komprimierbar sein.
Aber beim Springen zu einer bestimmten Stelle muss der Decoder möglicherweise mehr abhängige Frames verarbeiten.
Häufigere I-Frames
I P B I P B I
können beispielsweise Navigation beziehungsweise Schnitt erleichtern.
Dafür benötigen sie typischerweise mehr Daten.
Seltenere I-Frames
I B B P B B P B B P ...
können effizienter sein.
Wieder ein Kompromiss:
Kompression
↔
Zugriff / Bearbeitbarkeit
Keyframe im Webvideo
Bei Streaming beziehungsweise Wiedergabe spielen solche Referenzpunkte ebenfalls eine wichtige Rolle.
Wenn der Nutzer mitten im Video startet, ist ein geeigneter Einstiegspunkt notwendig.
Die konkrete Streamingarchitektur behandeln wir nicht bis ins Protokolldetail, aber die Grundidee lautet:
Videokompression
beeinflusst auch,
wie gut man innerhalb eines Videos navigieren kann
Schnitt auf Long-GOP-Material
Moderne Schnittprogramme können damit gut umgehen.
Bei:
mehreren 4K-Spuren,
hoher Bildrate,
aufwendigen Effekten
kann es trotzdem anstrengend werden.
Dann helfen:
Proxies
oder:
Transcoding in ein schnittfreundlicheres Format.
Warum Kameraformate manchmal riesige Bitraten haben
Eine Kamera muss Material zuverlässig in Echtzeit aufzeichnen.
Außerdem soll möglichst viel Bearbeitungsreserve bleiben.
Deshalb können Aufnahmebitrate und Dateigröße deutlich über einer späteren Webversion liegen.
Kamera-Master
→ hohe Qualität
→ große Datei
Website
→ kleinere Datei
→ fertiges Bild
Das ist kein Widerspruch.
Aufnahme und Distribution haben andere Anforderungen
Beim Dreh weiß man eventuell noch nicht:
wie stark das Material gecroppt,
farbkorrigiert,
stabilisiert
wird.
Deshalb lohnt Reserve.
Nach dem Schnitt sind diese Entscheidungen abgeschlossen.
Nun kann stärker komprimiert werden.
Ein typischer Video-Lebenszyklus
Kamera
↓
Aufnahmecodec
↓
Schnitt
↓
hochwertiger Master
↓
Web-Encoding
↓
Distributionscodec
↓
Browser / Player
Jede Stufe kann einen anderen Codec beziehungsweise andere Parameter verwenden.
Warum ein Master sinnvoll ist
Stell dir vor, du veröffentlichst heute eine:
1080p-Version.
In zwei Jahren brauchst du:
4K,
neues Format,
neuen Codec.
Wenn nur die alte stark komprimierte Webdatei existiert:
muss von schlechter Ausgangsbasis neu kodiert werden.
Mit Master
hochwertiger Master
├── heutiges Webformat
├── zukünftiges Webformat
└── neue Plattformversion
Das ist wesentlich robuster.
Master muss nicht zwangsläufig unkomprimiert sein
Unkomprimiertes Video kann gigantisch sein.
Ein Master kann durchaus komprimiert werden.
Entscheidend ist:
hohe Qualität,
geeignete Bearbeitungsreserve,
möglichst geringe vermeidbare Verluste.
Archivmaster und Produktionsmaster können unterschiedlich sein
Große Produktionen können verschiedene Ebenen unterscheiden.
Für normale Website- und Unternehmensproduktion reicht häufig ein einfacheres Modell:
Originalmaterial
+
Schnittprojekt
+
hochwertiger finaler Master
+
Webderivate
Originalmaterial trotzdem behalten?
Bei wichtigen Projekten häufig sinnvoll.
Denn der finale Master enthält nur:
den aktuellen Schnitt.
Vielleicht wird später eine neue Version benötigt.
Dann braucht man:
Rohmaterial.
Webvideo ist kein Archiv
Eine stark komprimierte kleine Distributionsdatei erfüllt einen anderen Zweck.
Webversion
→ schnell ausliefern
nicht:
Webversion
→ maximale zukünftige Bearbeitungsreserve
Codecs und WordPress
WordPress kann eine Videodatei zwar grundsätzlich als Medienobjekt verwalten beziehungsweise einbetten, doch die entscheidende Frage ist nicht nur:
Kann WordPress diese Datei speichern?
Sondern:
Kann der Browser sie zuverlässig abspielen?
Ist die Datei effizient?
Passt die Auflösung?
Ist die Datenrate sinnvoll?
500-MB-Kamera-MP4 direkt hochladen
kann technisch möglich sein.
Ist aber kein guter Webworkflow.
Besser:
Kameraaufnahme
↓
Schnitt
↓
Master
↓
Webencode
↓
Website
Codecwahl und Webperformance
Ein effizienterer Codec kann Bandbreite sparen.
Doch die beste Kompression nützt wenig, wenn ein relevanter Teil der Zielgeräte das Material nicht problemlos wiedergeben kann.
Deshalb ist für Websites immer das Gesamtsystem wichtig:
Qualität
+
Dateigröße
+
Kompatibilität
Fallbacks
Ein Videosystem kann gegebenenfalls mehrere Varianten anbieten.
Variante A
→ moderner effizienter Codec
Variante B
→ breiter kompatibler Codec
Der passende Stream beziehungsweise die passende Datei kann abhängig vom Wiedergabesystem gewählt werden.
Das ist konzeptionell ähnlich zu modernen Bildformaten.
Responsive Bilder als Vergleich
Bei Bildern kann man beispielsweise mehrere Formate beziehungsweise Größen bereitstellen.
Der Browser wählt eine geeignete Variante.
Bei Video kann ein Streaming- beziehungsweise Playersystem ebenfalls mehrere:
Codecs,
Auflösungen,
Bitraten
bereitstellen.
Adaptive Bitrate Streaming
Bei längerem Video kann zusätzlich die Qualität während der Wiedergabe angepasst werden.
gute Verbindung
→ höhere Qualität
schwache Verbindung
→ niedrigere Qualität
Dafür werden typischerweise mehrere Varianten desselben Videos vorbereitet.
Codec allein löst Webvideo nicht
Man braucht zusätzlich Entscheidungen über:
Auflösung,
Bitrate,
Streaming,
Poster,
Autoplay,
Preload.
Deshalb bekommt Webvideo-Komprimierung den nächsten eigenen Artikel.
Warum Browser-Decoding Energie kostet
Ein Videostream muss fortlaufend dekodiert werden.
Auf einem Smartphone bedeutet das:
Rechenarbeit
und damit:
Energieverbrauch.
Hardware-Decoding kann erheblich effizienter sein.
Ein theoretisch kleinerer Codec kann deshalb praktisch schlechter sein
Wenn das Endgerät ihn nur ineffizient per Software dekodieren kann.
Dann spart man vielleicht Netzwerkdaten, verbraucht aber:
mehr CPU,
mehr Akku.
Codecwahl ist daher immer ein Systemkompromiss.
Codecs beim Livestreaming
Livevideo besitzt eine zusätzliche Einschränkung:
Der Encoder kann nicht minutenlang im Voraus analysieren.
Kamera
↓
jetzt kodieren
↓
jetzt übertragen
Encoding-Geschwindigkeit und geringe Verzögerung werden wichtiger.
Offline-Video
Hier kann ein Encoder mehr Zeit investieren.
fertiges Video
↓
lange Analyse
↓
optimierte Datei
Deshalb können dieselben Codecs bei Live- und Datei-Encoding unterschiedlich eingesetzt werden.
Latenz
Starke Kompression kann Frames zeitlich voneinander abhängig machen.
Das kann zusätzliche Puffer beziehungsweise Verarbeitung erfordern.
Für normales Video-on-Demand ist das meist unproblematisch.
Bei:
Videokonferenzen,
Livestream,
Remote-Steuerung
kann geringe Verzögerung sehr wichtig sein.
Codecwahl hängt damit auch von Interaktivität ab
Film ansehen
→ Kompression wichtiger
Videotelefonie
→ geringe Verzögerung wichtiger
Es existiert nicht der eine optimale Codec für jede Anwendung.
Videoeditor und Codec
Beim Schnitt sollte das Material möglichst angenehm reagieren:
Scrubbing,
Framewechsel,
Rückwärtswiedergabe,
mehrere Spuren.
Long-GOP-Kompression kann insbesondere Rückwärtsnavigation schwieriger machen.
Warum Rückwärtswiedergabe?
Ein P- oder B-Frame kann von anderen Frames abhängen.
Wenn die Timeline rückwärts bewegt wird, muss die Software eventuell komplizierte Referenzketten rekonstruieren.
Schnittcodec
Daher werden in professionelleren Workflows häufig Codecs verwendet, die für Bearbeitung optimiert sind.
Sie erzeugen größere Dateien, reduzieren aber Decoderarbeit.
Proxy oder Transcode?
Zwei unterschiedliche Strategien.
Proxy:
Original bleibt
+
kleine Arbeitskopie
Transcoding:
Original wird in
anderes Produktionsformat umgewandelt
Beides kann die Bearbeitung erleichtern.
Proxy ist besonders flexibel
Denn die finale Qualität kommt weiterhin aus dem Original.
Proxy
→ nur Schnitt
Original
→ finaler Export
Transcoding kann Workflow vereinheitlichen
Wenn Material aus:
mehreren Kameras,
Smartphones,
Screen Recordings
kommt, können unterschiedliche Quellformate zunächst auf einen gemeinsamen Produktionsstandard gebracht werden.
Quelle A
Quelle B
Quelle C
↓
gemeinsames Schnittformat
Das kann Stabilität erhöhen.
Screen Recordings und variable Framerate
Wie im Artikel über Bildraten beschrieben, können Bildschirmaufnahmen oder Smartphonevideos variable Framerate besitzen.
Transcoding in ein konstantes Schnittformat kann Synchronisationsprobleme beheben.
Codec-Probleme diagnostizieren
Video ruckelt im Schnitt.
Nicht automatisch:
Computer zu langsam
Vielleicht:
Codec schwer zu dekodieren.
Test
Proxy erzeugen.
Wenn der Schnitt plötzlich flüssig läuft:
liegt das Problem wahrscheinlich stark in:
Auflösung,
Codec
beziehungsweise:
Decoding-Aufwand.
Video spielt auf einem Gerät nicht
Mögliche Ursache:
Container erkannt
aber Codec nicht unterstützt
Die Datei erscheint also als:
.mp4
aber der enthaltene Stream kann problematisch sein.
Ton funktioniert, Bild nicht
Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass:
Container und Audiocodec gelesen werden,
Videocodec aber nicht.
Bild funktioniert, Ton nicht
Umgekehrt kann der Audiocodec beziehungsweise die Audiospur das Problem sein.
Deshalb Medieninformationen prüfen
Eine technische Analyse einer Videodatei sollte mindestens zeigen:
Container
Videocodec
Audiocodec
Auflösung
Bildrate
Bitrate
Bittiefe
Damit lässt sich wesentlich gezielter diagnostizieren.
„MP4 funktioniert nicht“ ist technisch zu ungenau
Eine bessere Fehlerbeschreibung wäre beispielsweise:
MP4-Container
H.265 Video
AAC Audio
4K
50 fps
10 Bit
Nun weiß man wesentlich mehr über die Datei.
Video-Kompressionsartefakte
Bei zu starker Kompression können unterschiedliche Fehler sichtbar werden.
Blockbildung
Flächen zerfallen in sichtbare rechteckige Strukturen.
Besonders:
dunkle Bereiche,
schnelle Bewegung,
geringe Bitrate.
Banding
Feine Farb- beziehungsweise Helligkeitsverläufe werden zu sichtbaren Stufen.
Zum Beispiel:
Himmel,
Nebel,
Studiohintergrund.
Mosquito Noise
Um harte Kanten können flimmernde beziehungsweise körnige Kompressionsstrukturen entstehen.
Zum Beispiel rund um:
Text,
Äste,
feine Konturen.
Detailverlust
Gras,
Haare,
Blätter,
Gewebe
werden zu weich beziehungsweise matschig.
Temporale Artefakte
Details können über mehrere Frames:
wabern,
verschwinden,
nachziehen.
Das entsteht, wenn zeitliche Kompression bei komplexer Bewegung an Grenzen kommt.
Dunkle Szenen sind oft schwierig
Dunkle Bereiche enthalten:
Rauschen,
feine Tonwertunterschiede.
Rauschen verändert sich von Frame zu Frame und ist dadurch schwer zu komprimieren.
Sensorrauschen
→ ständig neue kleine Muster
→ Codec muss viel Veränderung beschreiben
Rauschreduzierung vor Encoding
Kann deshalb manchmal nicht nur das Bild glätten, sondern auch die Komprimierbarkeit verbessern.
Aber:
zu starke Rauschreduzierung vernichtet Details.
Filmkorn
Künstlich hinzugefügtes Filmkorn besitzt ebenfalls zufällige Veränderungen.
Das kann Videokompression erheblich erschweren.
Ein schöner Grain-Look kann deshalb die benötigte Bitrate erhöhen.
Konfetti ist Codec-Hölle
Viele kleine bewegte Details.
Ähnlich:
Schnee,
Regen,
Wasser,
Blätter,
Menschenmengen.
Solche Szenen brauchen typischerweise mehr Daten für saubere Darstellung.
Statische Grafiken sind leicht
Ein Präsentationsvideo mit:
großen einfarbigen Flächen
und:
wenig Bewegung
lässt sich dagegen sehr effizient komprimieren.
Aber Text braucht saubere Kanten
Bei Bildschirmtutorials und Präsentationen ist ein anderes Problem wichtig:
kleine Schrift.
Zu starke Kompression kann Text unscharf machen.
Deshalb sollte die Kodierung zum Bildinhalt passen.
Bildschirmaufnahme und Kameraaufnahme sind unterschiedlich
Kamera:
organische Strukturen
+
Rauschen
+
Bewegung
Screen Recording:
scharfe Kanten
+
Text
+
Flächen
Ein optimaler Encode für beide kann unterschiedliche Einstellungen benötigen.
Mehr Bitrate löst nicht alles
Wenn das Ausgangsmaterial bereits:
unscharf,
überbelichtet,
stark verrauscht
ist, macht eine gigantische Bitrate daraus kein gutes Video.
guter Codec
≠
gute Aufnahme
Umgekehrt kann schlechte Kodierung gutes Material zerstören
Hochwertiges Master:
perfekt.
Webexport:
viel zu starke Kompression.
Nun sieht der Nutzer nur:
Artefakte.
Die Produktionsqualität wurde am letzten Schritt verschenkt.
Deshalb Encoding als Teil der Gestaltung betrachten
Der Webexport ist nicht nur:
technischer Abschluss.
Er entscheidet, welche Qualität tatsächlich beim Nutzer ankommt.
Codecs bei generativem Video
Auch KI-generierte Videos müssen am Ende gespeichert und übertragen werden.
Das Modell erzeugt möglicherweise intern Frames beziehungsweise Videodaten.
Für die Veröffentlichung gelten danach dieselben Fragen:
Auflösung
↓
Bildrate
↓
Codec
↓
Container
↓
Bitrate
↓
Webauslieferung
Generative Herkunft ersetzt den klassischen Medienworkflow nicht.
KI-Videos können besonders schwer komprimierbar sein
Wenn ein generiertes Video feine ständig wechselnde Strukturen besitzt:
Haare,
Partikel,
Texturen,
Rauschen,
kann ein Codec hohe Datenmengen benötigen.
Generative Inkonsistenz und Kompressionsartefakt unterscheiden
Ein Objekt verändert plötzlich seine Form.
Das kann ein:
KI-Generierungsfehler
sein.
Ein Detail zerfällt nur während schneller Bewegung in Blöcke:
eher Kompression.
Für Qualitätskontrolle müssen diese Fehlerarten getrennt werden.
Automatisiertes Transcoding
Bei vielen Videos sollte niemand jedes Webformat einzeln per Hand exportieren müssen.
Eine Pipeline könnte beispielsweise funktionieren:
Mastervideo
↓
Analyse
↓
1080p-Version
↓
720p-Version
↓
verschiedene Codecs
↓
Posterbild
↓
Untertitel
↓
Website
Das lässt sich gut automatisieren
Denn viele Parameter sind deterministisch.
Zum Beispiel:
Zielauflösung,
Codec,
Bitrate beziehungsweise Qualitätsmodus,
Dateiname,
Speicherpfad.
Qualitätskontrolle bleibt sinnvoll
Nach Encoding kann automatisiert geprüft werden:
Datei vorhanden?
Laufzeit korrekt?
Auflösung korrekt?
Tonspur vorhanden?
Dekodierbar?
Visuelle QA
Fortgeschritten kann zusätzlich geprüft werden:
offensichtliche Artefakte,
schwarze Frames,
Ton-/Bild-Synchronität,
falsches Seitenverhältnis.
Ein systematischer Video-Asset-Workflow
Rohmaterial
↓
Schnitt
↓
Master
↓
Transcoding-Pipeline
├── Web 1080p
├── Web 720p
├── Mobile
└── Archiv
Das skaliert wesentlich besser als:
jedes Video
irgendwie manuell exportieren
Welche Codec-Ebene sollte ein digitaler Selbstmacher verstehen?
Man muss keine Bewegungsvektoren mathematisch berechnen.
Aber man sollte fünf Fragen beantworten können:
Was ist der Container?
Welcher Videocodec steckt darin?
Welcher Audiocodec?
Ist die Datei für Schnitt oder Distribution gedacht?
Welche Qualitäts-/Größenanforderung gibt es?
Damit lassen sich sehr viele Videoprobleme einordnen.
Codecwahl für die Aufnahme
Hier sind besonders wichtig:
Bildqualität,
Bearbeitungsreserve,
Speicherkartenleistung,
Kamerafähigkeiten,
Schnittsystem.
Eine kleinere Datei ist nicht immer vorteilhaft, wenn der Schnitt dadurch quälend langsam wird.
Codecwahl für den Schnitt
Hier zählen:
Dekodierbarkeit,
Framezugriff,
Qualitätsreserve.
Dateigröße darf größer sein.
Codecwahl für den Master
Hier zählen:
hohe Qualität,
langfristige Nutzbarkeit,
geringe unnötige Verluste.
Codecwahl für das Web
Hier zählen besonders:
visuelle Qualität
+
kleine Datenmenge
+
Kompatibilität
Diese Abwägung vertiefen wir im nächsten Beitrag.
Häufige Missverständnisse über Video-Codecs
„MP4 ist ein Codec“
Nein.
MP4 ist ein Container.
„H.264 ist eine Dateiendung“
Nein.
H.264 ist ein Videokompressionsstandard.
„MOV ist bessere Qualität als MP4“
Nicht automatisch.
Beide sind Container. Entscheidend sind die darin enthaltenen Medienstreams.
„Kleine Videodatei ist leichter zu schneiden“
Nicht unbedingt.
Starke Long-GOP-Kompression kann erheblichen Decoding-Aufwand erzeugen.
„Höhere Bitrate bedeutet immer bessere Qualität“
Nur unter vergleichbaren Bedingungen. Codec, Encoder, Auflösung und Bildinhalt spielen ebenfalls eine Rolle.
„Wenn ein Video schon MP4 ist, kann es auf jeder Website abgespielt werden“
Nicht zwangsläufig. Der enthaltene Codec und dessen Parameter müssen ebenfalls unterstützt werden.
„Transcoding ändert nur die Dateiendung“
Nein. Beim echten Transcoding wird Medieninformation neu kodiert.
„Rewrapping und Transcoding sind dasselbe“
Nein. Rewrapping verändert primär die Verpackung, ohne den Videostream zwangsläufig neu zu komprimieren.
„Jede erneute Kodierung ist unsichtbar“
Verlustbehaftetes Re-Encoding kann Qualitätsverluste kumulieren.
„4:2:0 ist automatisch schlechte Farbe“
Nein. Für fertige Distributionsvideos kann reduzierte Farbauflösung sehr effizient und visuell völlig ausreichend sein.
„10 Bit bedeutet automatisch HDR“
Nein. Bittiefe und Dynamikumfang beziehungsweise HDR sind unterschiedliche Konzepte.
„Der modernste Codec ist immer die beste Wahl“
Nein. Ein Codec muss in der gesamten Produktions- und Wiedergabekette funktionieren.
Ein praktischer Entscheidungsweg
Zuerst fragen:
Welche Stufe des Workflows?
Aufnahme?
Schnitt?
Master?
Web?
Für die Aufnahme
Qualität
+
Kamerakompatibilität
+
Speicher
+
Schnittbarkeit
abwägen.
Für den Schnitt
Wenn das Material ruckelt:
Proxy
oder
schnitttaugliches Transcoding
prüfen.
Für den Master
hohe Qualität
+
keine unnötige starke Kompression
priorisieren.
Für das Web
Qualität
+
Dateigröße
+
Kompatibilität
optimieren.
Ein sinnvoller Gesamtworkflow
Kamera
↓
Aufnahmeformat
↓
Originale sichern
↓
gegebenenfalls Proxies
↓
Schnitt
↓
hochwertiger Master
↓
Web-Encoding
↓
Distributionsdateien
Das ist der wichtigste praktische Zusammenhang des gesamten Themas.
Was du dir über Container merken solltest
Ein Container organisiert verschiedene Medienbestandteile in einer Datei.
Zum Beispiel:
Container
├── Video
├── Audio
├── Untertitel
└── Metadaten
Typische Containerbezeichnungen sind beispielsweise:
MP4,
MOV,
MKV,
WebM.
Die Dateiendung sagt jedoch nicht automatisch, welcher Videocodec enthalten ist.
.mp4
≠
automatisch H.264
Was du dir über Codecs merken solltest
Ein Codec definiert, wie Medieninformationen kodiert und dekodiert werden.
Videoframes
↓
Encoder
↓
komprimierter Stream
und beim Abspielen:
komprimierter Stream
↓
Decoder
↓
Videoframes
Häufige Videocodecs beziehungsweise Standards sind unter anderem:
H.264/AVC,
H.265/HEVC,
AV1.
Sie verfolgen unterschiedliche Kompromisse zwischen:
Kompression,
Bildqualität,
Rechenaufwand,
Kompatibilität.
Videocodecs sparen besonders durch Ähnlichkeiten
Innerhalb eines Bildes:
räumliche Redundanz
und zwischen Bildern:
zeitliche Redundanz
werden ausgenutzt.
Dadurch muss nicht jeder Frame vollständig neu gespeichert werden.
I-, P- und B-Frames helfen dabei
Vereinfacht:
I
→ relativ eigenständiger Frame
P
→ verwendet Referenzinformationen
B
→ kann weitere Referenzbeziehungen nutzen
Das reduziert Dateigröße, erhöht aber unter Umständen den Decoding-Aufwand.
Deshalb kann stark komprimiertes Video schwer zu schneiden sein
kleine Datei
+
komplexe Frameabhängigkeiten
↓
hoher Decoding-Aufwand
Proxies beziehungsweise schnittfreundliche Zwischenformate lösen dieses Problem häufig.
Produktionsformat und Webformat sollten getrennt werden
Für den Schnitt:
große Datei
+
leicht dekodierbar
+
hohe Qualität
kann sinnvoll sein.
Für die Website:
kleine Datei
+
effizient komprimiert
+
breit abspielbar
Das sind unterschiedliche Anforderungen.
Auch Bittiefe und Farbauflösung spielen hinein
Mehr Bearbeitungsreserve kann entstehen durch:
höhere Bittiefe
+
höhere Farbauflösung
Das ist vor allem während:
Color Grading,
Greenscreen,
Compositing
wertvoll.
Das fertige Distributionsvideo kann anschließend stärker optimiert werden.
Transcoding gehört zum normalen Videoworkflow
Aufnahme
↓
Schnitt
↓
Master
↓
Transcoding
↓
Website
Es ist kein Zeichen dafür, dass das ursprüngliche Format falsch war.
Unterschiedliche Produktionsstufen benötigen schlicht unterschiedliche Dateien.
Der Master bleibt die Quelle
Ein besonders wichtiger Grundsatz lautet:
Master
├── Website
├── Social
├── Präsentation
└── zukünftige Formate
Nicht:
kleine Webversion
↓
immer wieder neu kodieren
Damit werden Generation Loss und unnötige Qualitätsverluste vermieden.
Der zentrale Merksatz lautet:
Der Container bestimmt, wie Video, Ton und weitere Informationen gemeinsam verpackt werden. Der Codec bestimmt, wie diese Medieninformationen komprimiert und wieder dekodiert werden. Eine gute Videodatei entsteht erst dann, wenn Codec, Container, Qualität, Dateigröße und Zielsystem sinnvoll zusammenpassen.
